Co-Pilot von Flug 4U 9525
Wer war Andreas L.?

Es ist eine schwer vorstellbare Wahrheit: Der Co-Pilot hat den Piloten ausgesperrt und den Absturz der Germanwings-Maschine bewusst eingeleitet. 150 Menschen kommen ums Leben. Wer war dieser Mann?
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DüsseldorfDie Ursache für den Absturz von Flug 4U 9525 ist wohl geklärt. Es war weder ein technischer Fehler noch ein falsches Flugmanöver. Der Co-Pilot habe den Sinkflug der Maschine bewusst eingeleitet, sagte der Staatsanwaltschaft von Marseille, Brice Robin, am Donnerstag nach Auswertung des Flugrekorders. Der Co-Pilot habe sich zudem geweigert, den Flugkapitän wieder in das Cockpit zu lassen. Dies könne „als Willen, das Flugzeug zu zerstören“, interpretiert werden.

Wer war dieser Mann, der mit sich 149 weitere Menschen in den Tod riss? Der französische Staatsanwalt nannte den Namen: Andreas L., 27 Jahre alt, aus Montabaur in Rheinland-Pfalz. Dort wohnte er bei seinen Eltern, hatte zugleich eine Wohnung in Düsseldorf. Er galt als begeisterter Pilot und seit langem von der Luftfahrt fasziniert. Er war seit seiner Jugend Mitglied des Luftsportclub Westerwald.

Nach Angaben eines langjährigen Vereinsmitglieds ist Andreas L. beliebt und in das Vereinsleben gut integriert gewesen. Er habe Freunde gehabt und sei kein Einzelgänger gewesen. Das Vereinsmitglied berichtete, dass er es Andreas L. nicht zutraue, das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht zu haben. „Ich bin einfach nur sprachlos. Ich habe keine Erklärung dafür.“

Der Fliegerverein hatte am Mittwoch, einen Tag nach dem Absturz der Germanwings-Maschine, eine Traueranzeige für den Co-Piloten auf seiner Vereinshomepage geschaltet. Der Verein drückte seine „große Bestürzung“ aus. „Er konnte sich seinen Traum erfüllen, den Traum, den er jetzt so teuer mit seinem Leben bezahlte“, hieß es auf der Website, die derzeit wegen Überlastung nicht zu erreichen ist. Auch auf Facebook wurde das Profil von Andreas L. gelöscht. Dort soll er sich besonders für den Flugzeugtypen A320 interessiert haben. Andreas L. war offenbar auch begeisterter Läufer.

Andreas L. hat seine Ausbildung bei der Germanwings-Mutter Lufthansa im Jahr 2008 begonnen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmittag. Andreas L. wurde an den Flugschulen in Bremen und Arizona zum Piloten ausgebildet.

Während seiner Ausbildung gab es eine mehrmonatige Unterbrechung. Das war vor sechs Jahren. Den genauen Zeitraum und die Gründe dafür wollte Carsten Spohr auch auf Nachfrage nicht nennen. Nach der Unterbrechung habe L. seine Ausbildung zu Ende absolviert. „Er war zu 100 Prozent flugtauglich. Ohne jede Auffälligkeit“, so der Lufthansa-Chef. Bevor er nach Ende der Ausbildung seinen Dienst als Co-Pilot begann, musste Andreas L. elf Monate warten. Dieser Übergangszeitraum sei üblich, so Spohr. In diesen elf Monaten war L. als Flugbegleiter tätig. 2013 begann Andreas L. seine Tätigkeit als Co-Pilot bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Er hat 630 Flugstunden absolviert.

Die Nachricht vom absichtlichen Absturz hat der Heimatstadt von Andreas L. große Bestürzung ausgelöst. Die Polizei hat in der Straße, die zum Elternhaus des Mannes führt, Einsatzfahrzeuge quergestellt, um Autos an der Durchfahrt zu hindern. Die Familie des Co-Piloten befindet sich derzeit – wie viele Angehörige der anderen Todesopfer – in Frankreich in der Nähe des Absturzortes. „Wir haben sie nicht mit den anderen Familien zusammengebracht“, sagte die Staatsanwaltschaft.

Über die Motive von Andreas L. kann bislang nur spekuliert werden. Laut Staatsanwaltschaft gibt es keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. Auch bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen hat es keine Auffälligkeiten gegeben. Das teilte die Düsseldorfer Bezirksregierung am Donnerstagabend mit.

Zuletzt sei dem 27-Jährigen Ende Januar bescheinigt worden, dass keine strafrechtlichen oder extremistischen Sachverhalte gegen ihn vorliegen. Auch die Prüfungen 2008 und 2010 blieben ohne Unstimmigkeiten. Indes haben Ermittler mit der Durchsuchung der Düsseldorfer Wohnung des Germanwings-Piloten begonnen.

Kommentare zu " Co-Pilot von Flug 4U 9525: Wer war Andreas L.?"

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  • >> Es ist eine schwer vorstellbare Wahrheit: Der Co-Pilot hat den Piloten ausgesperrt und den Absturz der Germanwings-Maschine bewusst eingeleitet. >>

    Diese Spekulation ist erst mal von der Mainstream-Lügenpresse zu einer sogenannten "Wahrheit" gemacht worden.

    [...]
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Mir sind das alle noch nicht juristisch schlüssige Beweise, sondern Annahmen. Was, wenn der Käptn den Code nicht richtig eingab und ohne Grund tobte: Könnte der Copilot nicht von Terror ausgehen, siehe auch den Einen Flug bei 9/11?
    Andererseits fehlt offensichtlich die regelmäßige psycho-Überprüfung von Piloten, es werden angeblich nur physische Untersuchungen regelmäßig gemacht?
    Das Vorgehen der französischen Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit halte ich für zu schnell, die 2. Blackbox könnte noch andere Beweise liefern.....da sind offensichtlich, wie immer, auch Interessen im rechtlichen Rahmen im Spiel...

  • „Ist ein Pilot weg, muss ein Flugbegleiter rein.“

    Genau. So einfach ist das.
    Wenn ich an das Geschwätz über drei Piloten im Cockpit denke (gestern abend bei der Illner) frag‘ ich mich echt, wo die Leute eigentlich ihren Kopf haben.
    Der Kapitän (der noch versucht haben soll, mit einer Axt die „sicher“ versperrte Tür zum Cockpit während des Sinkflugs gewaltsam zu öffnen) kann einem nur furchtbar leid tun.
    Horror, so was. Wenigstens hat er’s jetzt hinter sich.

    und:

    „Da müssen die noch nicht mal einen Burn-out haben.“

    Den zwischenzeitlich neu hinzugekommenen Informationen nach zu urteilen sieht es jetzt allerdings ganz danach aus, als hätte der Co-Pilot damals mit Depressionen zu kämpfen gehabt.
    Auch wenn es sich dabei natürlich um eine Krankheit handelt, für die die Betroffenen nichts können und unter der sie selbst am meisten zu leiden haben – eine solche Diagnose muss in Zukunft klares Ausschlusskriterium für alle Berufe sein, in denen Verantwortung für andere übernommen werden muss.
    Besser für diese Menschen geeignete Berufe gibt es schließlich genug.

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