"Cut Piece"-Aktion fand bereits 1964 in Japan statt
Yoko Ono lässt sich Kleider vom Leib schneiden

Yoko Ono, die Witwe des ermordeten Beatles-Musikers John Lennon, "performt" für den Frieden. Dafür ließ sie sich im Pariser Ranelagh-Theater von fremden Menschen am Montag Abend die Kleider vom Leib schneiden.

HB PARIS. Die gleiche Aktion mit dem Titel „Cut Piece“ (Schneide Stück) hatte die Künstlerin bereits 1964 in Japan veranstaltet. Ohne mit der Wimper zu zucken stand die 70-Jährige auf der Bühne, während Menschen aus dem Publikum ihr das enge schwarze Top und ihren langen Faltenrock vom Körper schnitten, bis sie nur noch in Unterwäsche da stand. Selbst als eine junge Frau den Träger ihres BHs durchtrennte und ein Mann im Anzug den Blick auf ihre Schenkel freilegte, blieb sie nach außen hin ungerührt.

„Ich hatte ein wenig Angst“, gestand die Künstlerin hinterher. Ihr Sohn Sean Lennon nannte die Performence „nervenaufreibend“. Er schnitt das erste Loch in den Ärmel seiner Mutter. „Sie ist wirklich mutig, das wieder zu tun. Es war sehr bewegend und sehr intensiv.“ Die abgeschnittenen Stofffetzen sollten die Dutzenden Teilnehmer an eine Person schicken, die sie liebten, sagte Ono. „Vergesst niemals die Liebe“, fügte sie hinzu. In den 60er Jahren habe sie die Performence aus Wut gemacht. „Aber diesmal tue ich es für die Liebe, und das macht einen großen Unterschied.

Gemeinsam mit Lennon hatte Ono zahlreiche ungewöhnliche und zum Teil umstrittene Anti-Kriegskampagnen bestritten. Nach dem Mord an ihrem Mann im Dezember 1980 setzte sie diese Tradition fort. Vor dem Irak-Krieg in diesem Jahr ließ sie in zahlreichen großen Zeitungen Anzeigen mit den Worten „Imagine Peace ... Spring 2003“ (Stellt euch Frieden vor ... Frühjahr 2003) veröffentlichen. Die Kampagne konnte als Anspielung an John Lennons Solo-Hit „Imagine“ verstanden werden. Der Titel ihrer Performence „Cut Piece“ ist offenbar ein Wortspiel mit dem gleichklingenden Wort „Peace“ (Frieden).

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