Cyber-Security
Wannacry-Held vom FBI verhaftet

Das könnte das verrückte Ende einer steilen Karriere sein: Marcus Hutchins wurde berühmt, als er die wahrscheinlich größte Cyber-Attacke der Welt stoppte. Nun wird ihm Beteiligung am Malware-Schreiben vorgeworfen.
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San FranciscoVom Malware-Jäger zum Malware-Schreiber? Marcus Hutchins wollte nach einem jährlichen Treffen von Hackern und IT-Sicherheitsexperten gerade wieder vom McCarren-Flughafen in Las Vegas zurück nach Großbritannien fliegen, als die Handschellen klickten.

Die Verhaftung steht aber nicht im Zusammenhang mit dem Angriff der Software „Wannacry“, die Computer rund um die Welt verschlüsselt hatte und nur gegen Lösegeld die gekaperten Daten wieder freigegen hatte. Hutchins stoppte das Cyber-Verbrechen mit einem einfachen Trick.

Laut Anklageschrift soll Hutchins, auch bekannt unter dem Namen „Malweretech“, an der Verbreitung und Entwicklung des Banken-Trojaners „Kronos“ zwischen 2014 und 2015 beteiligt gewesen sein. Die Website „Motherboard“ berichtete am Donnerstag zuerst über die Inhaftierung des britischen Security-Spezialisten.

Kronos ist eine Software, die beim Ausrauben von Bankkonten zum Einsatz gekommen ist. Das Programm fängt Benutzernamen und Passwörter ab, besonderer Fokus liegt auf Anmeldedaten für das Online-Banking. Laut Anklageschrift wird Hutchins vorgeworfen, er habe Kronos mitentwickelt - zusammen mit einem Mittäter, dessen Name geschwärzt ist. Ihnen wird auch vorgeworfen, Kronos im sogenannten Darknet zum Verkauf angeboten zu haben.

Eben erst hatten sich Security-Industrie und die Hacker-Szene in Las Vegas zu den jährlichen Hacker-Konferenzen Def Con und Black Hat getroffen, nun stehen beide unter Schock. Noch nie hat es einen solch tiefen Fall gegeben: in nicht einmal drei Monaten vom Security-Olymp bis in eine FBI-Gefängniszelle. Der 23-jährige mutmaßliche Täter muss von dem Haftbefehl ebenfalls überrumpelt worden sein. Ansonsten wäre er wohl kaum freiwillig in die USA gereist.

Das Online Magazin „The Outline“ berichtet von rauschenden Partynächten in Las Vegas, wo sich Hutchins zusammen mit sieben Freunden eine Airbnb-Villa für 1.900 Dollar die Nacht gemietet haben soll. Ein Foto seines letzten Mietwagens in Las Vegas fand sich noch auf seinem Twitter-Konto, das seit Mittwochnachmittag verwaist ist. Der jüngste Eintrag stammt vom Nachmittag kurz vor dem geplanten Boarding.

Der Website zufolge ist unklar, ob Hutchins bereits einen Rechtsbeistand hat. Alle Anfragen würden vom FBI an das Justizministerium weitergeleitet. Ein Freund des Briten habe berichtet, er sei am Donnerstag noch im FBI-Stützpunkt in Henderson in der Nähe von Las Vegas gewesen. Das ist dann ein schon dramatischer Umzug. Immerhin residierte er zuvor noch in der Nobelresidenz eines lokalen Immobilienentwicklers mit dem wahrscheinlich größten privaten Swimmingpool in der Kasinostadt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Verzeihung, hier der vollständige Satz: Warum ist der andere Name geschwärzt?

  • "Laut Anklageschrift wird Hutchins vorgeworfen, er habe Kronos mitentwickelt - zusammen mit einem Mittäter, dessen Name geschwärzt ist. Ihnen wird auch vorgeworfen, Kronos im sogenannten Darknet zum Verkauf angeboten zu haben."

    Nun, angesichts der heute vorhandenen und sich hoffentlich auch immer weiter vertiefenden IT-Kompetenz allerorten wird es sich ja hoffentlich ebenso transparent wie minutiös aufklären lassen, ob Hutchins zu denen gehört, die sich von den Verlockungen des "süßen Lebens" (das - leider - für viel zuviele gleichbedeutend ist mit "Geld") haben korrumpieren lassen, oder nicht.

    Warum ist der Name des

  • Den "Mächtigen" ist vermutlich jeder suspekt, der von etwas mehr Ahnung hat als sie selbst.

    Da sperren sie ihn vorsichtshalber lieber weg.

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