Dacheinsturz
Von Messehalle blieb nur ein Trümmerhaufen

Wer sieht, was sich in der eingestürzten Halle von Kattowitz (Katowice) auftürmt, begreift, warum die polnischen Behörden jede Suche nach weiteren Überlebenden früh für aussichtslos erklärten. Denn das Dach der erst sechs Jahre alten Halle ist nach drei Seiten eingebrochen und weggesackt.

HB KATTOWITZ. Lediglich an einer Längsseite der Fußballfeld-großen Messe haben Dachteile gehalten, einige Buden widerstanden hier den herunterkrachenden Metallteilen.

„Alles für ihre Tauben“, steht auf einer Bude. Ganz am Rand im Ausstellungsbereich A 5 sind einige Biertische und Bänke aufgereiht, als sei nichts geschehen, nur hier hielt das Dach wie durch ein Wunder stand. Erstmals können am Montag Journalisten für wenige Minuten den Unglücksort besichtigen. Angehörige der Opfer, die am verschlossenen Tor zum Messegelände ebenfalls Einlass begehren, um ihre Verwandten zu suchen, werden von Polizisten zu den Psychologen im nahen Messehotel geschickt.

Am Vormittag liegt eine unheimliche Ruhe über der Szenerie. Die Rettungsmannschaften sind abgezogen, dieBergungsarbeiten haben noch nicht begonnen, weil zunächst die Untersuchungskommission den Unglücksort inspizieren soll. Doch das Nichtstun zehrt zusehends an den Nerven derjenigen, die durch den tiefen Schnee herunter zu dem blauen Maschendrahtzaun gestapft sind, der das Gelände abschirmt. Die kleinteilige Recherche-Arbeit der Experten wirkt wie ein Bild der Machtlosigkeit. Man sieht zwei Polizisten, einer hantiert mit einem Zollstock, ein anderer macht Fotos vom Eingangsbereich.

„Da liegen unsere Menschen, und ihr tut nichts, rein gar nichts“, sagt ein Mann aufgeregt. Dann entlädt sich seine Wut auf die Bauweise der im Jahr 2000 errichteten Messehalle, die polnischen Medienberichten zufolge für wärmere Länder geeignet ist: „Dafür ist es doch viel zu kalt bei uns“, regt er sich auf - und zeigt auf die nahe stehenden massiven Flachbauten, die seiner Meinung nach besser für den harten polnischen Winter geeignet sind: „Immer billiger, immer schneller, das kann doch nicht gut gehen.“ An mehreren Stellen der Absperrungen sind Grabkerzen und Trockensträuße aufgestellt worden. Ein Paar steht in einigem Abstand reglos Arm in Arm da und starrt auf die Halle. Ein junger Mann wird von einem Schluchzen übermannt und wendet sich schnell ab. Die Zuchttauben, die schon am Sonntag dicht gedrängt hoch oben auf einer der stehen gebliebenen Hallenwände hockten, sitzen immer noch dort.

Taxifahrer haben ihre Antennen mit schwarzen Wimpeln versehen und bringen Angehörige der Opfer kostenlos zum Unglücksort, zu den Krankenhäusern oder nach Hause. Aus dem Messehotel knapp oberhalb des Schauplatzes sind inzwischen die vielen ausländischen Messe-Besucher, darunter zahlreiche deutsche, abgereist.

An ihrer Stelle sind Journalisten eingezogen. Auf dem Dach des Gebäudes erkennt man einen Arbeiter, der Schneemassen vom Gebäude fegt. So etwas gibt es jetzt überall in Kattowitz zu sehen.

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