Das Leben in der Notunterkunft
„Ich möchte am liebsten sofort nach Hause“

Für viele Hochwasser-Opfer sind Notunterkünfte ihr provisorisches neues Heim, doch Zuhause fühlt sich hier niemand. In Bitterfeld traf dieses Schicksal rund 160 Menschen evakuiert.
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BitterfeldJoachim Grollmitz schüttelt den Kopf. „Ich bleibe hier. Ich lasse mich auch nicht zwangsräumen.“ In Hemd und Badehose steht der 77-Jährige vor seinem Haus in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Nur wenige Meter entfernt liegt der Goitzschesee, dessen Pegel wegen des umliegenden Hochwassers am Donnerstag weiter steigt. Für Bitterfeld ist die Überschwemmungsgefahr damit noch nicht gebannt. Nach Angaben des Katastrophenstabes haben rund 500 Anwohner deshalb - anders als Joachim Grollmitz - die Sachen gepackt und ihre Häuser verlassen.

Eine von ihnen ist Karola Teetz. Sie sitzt gemeinsam mit Mutter und Schwester vor der Sporthalle des Heinrich-Heine-Gymnasiums im zwölf Kilometer entfernten Wolfen. Die Halle dient als Notunterkunft für rund 160 Evakuierte aus Bitterfeld und umliegenden Dörfern. „Ich bin seit Dienstag hier. Ich möchte am liebsten sofort nach Hause zurück“, klagt die 55-Jährige, die eigentlich im Sportbad Bitterfeld arbeitet. Nun vertreibt sie sich die Warterei mit „Mensch, ärgere dich nicht“. An einem anderen Tisch malen Kinder mit Tusche bunte Bilder.

Die Turnhalle ist zu zwei Dritteln mit Betten und Matratzen belegt. Eine Frau stillt in einer Ecke ihr Baby und legt es dann zum Schlafen in ein Reisebettchen. Einige ältere Menschen dösen vor sich hin, andere sitzen bei einem Kaffee zusammen. Die Warterei zehrt an den Nerven. „Wir müssen die Leute immer wieder motivieren hierzubleiben. Das ist richtige Seelsorger-Arbeit“, sagt Silke Stannebein vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Gemeinsam mit anderen Helfern betreut die 45-Jährige seit Montag die Notunterkunft.

Karola Teetz lobt die Helfer. Immer wieder kommen auch Leute vorbei, bringen Kuchen, Kinderspielzeug, Handtücher oder Bücher. Dennoch fühlt sich Teetz „im Stich gelassen“. „Wir bekommen hier wenig Informationen.“

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