Die meisten Toten stammen aus Schleswig-Holstein
Ungarische Polizei: Busfahrer ist schuld

Einen Tag nach dem schweren Busunglück in Ungarn mit 33 Toten deutet nach Erkenntnissen der ungarischen Polizei alles auf ein Verschulden des deutschen Busfahrers hin. Ungarns Verkehrsminister Istvan Csillag sagte nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI am Freitag in Siofok, der Busfahrer sei der alleinige Schuldige am Unfall.

HB/dpa HAMBURG/BUDAPEST. Die Polizei habe festgestellt, dass es entgegen ursprünglicher Annahmen keinen Stau am Bahnübergang gegeben habe und die Straße frei gewesen sei. Der 46- jährige Kraftfahrer hätte sowohl das Blinklicht als auch den Zug sehen müssen, zitierte MTI die Polizei.

Die ungarische Tageszeitung „Magyar Hirlap“ bezog sich auf den Fahrer eines Kleinbusses, der während des Unfalls auf der Gegenspur war. Er hatte eine halbe Minute vor dem Zusammenprall wegen des Rotlichts vor dem Übergang gehalten. Der entgegenkommende Touristenbus sei aber langsam weitergefahren, sagte der Mann. Der mit 38 Menschen voll besetzte deutsche Reisebus war am Donnerstagmorgen bei Siófok am Plattensee an dem unbeschrankten Bahnübergang von einem Zug gerammt und zerfetzt worden. 33 Menschen wurden getötet, darunter auch der Busfahrer aus Nordrhein-Westfalen. Die 36 Urlauber an Bord kamen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Von den Toten stammen 21 aus Schleswig-Holstein. Dies teilte das Lagezentrum der Polizei am Freitag in Kiel mit. Drei Urlauber seien unterschiedlich stark verletzt und würden in Krankenhäusern in der Umgebung des Unfallortes behandelt. Nach Behördenangaben kommen 11 der Todesopfer aus Niedersachsen. Unter den Toten ist nach Angaben des Bürgermeisters auch ein Ehepaar, das eine fünfjährige Tochter hinterlässt. Die Identifizierung sei noch nicht abgeschlossen. Die Namen einiger Opfer könnten nur durch zahntechnische Expertisen ermittelt werden.

Angehörige werden kostenlos an den Unfallort geflogen

Schleswig-Holstein und Niedersachsen stimmten am Freitag die Vorbereitungen für den Flug von Angehörigen nach Ungarn ab. Der Reiseveranstalter Maxim aus Emstek in Niedersachsen will die Angehörigen der Opfer kostenlos an den Unfallort fliegen. „Es werden etwa 100 bis 120 Plätze für Angehörige zur Verfügung stehen“, sagte der Anwalt der Firma, Holger Moye, am Freitag.

An Bord der Maschine, die am Freitagabend von Hamburg aus starten sollte, würden sich Seelsorger des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) um die Familien kümmern. Auch für die Unterbringung der Hinterbliebenen werde das Unternehmen aufkommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag in Hannover.

Seit Freitagmorgen waren Kriseninterventionsteams mit Pastoren, Psychologen und Experten von Polizei und Feuerwehr zu den Angehörigen der Opfer unterwegs. Zentrales Thema sei die lange Ungewissheit für die Familien gewesen, sagte der Kieler Polizeisprecher Detlef Strempel. Ferner sind Psychologen des Auswärtigen Amts und ein Expertenteam in Ungarn, um Angehörige der Opfer sowie Mitglieder der Reisegruppe, die nicht in den Unfall verwickelt waren, zu betreuen. Ungarns Verkehrsminister Csillag kündigte an, dass der Bahnübergang bei Siofok in den Sommermonaten bis August mit einer Schranke gesichert werde. Der Zugverkehr auf der betroffenen Strecke wurde am Freitag wieder aufgenommen. Züge und Autos passieren den Bahnübergang nur im Schritttempo.

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