Diskriminierung bei Bewerbung
„Der ist nichts, ist ein Neger“

Diese Absage auf eine Bewerbung hatte es in sich: Ein niederländischer Angestellter wollte seinem Chef mitteilen, dass er einen schwarzen Bewerber für ungeeignet hält. Doch die Mail ging an die falsche Adresse.
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Düsseldorf„Habe es gerade gesehen, ist nichts. Erstens ist es ein Dunkelhäutiger (Neger). Und sein Lebenslauf sagt wenig bis keine Erfahrung mit Computern.“ Es wird nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit sein, dass ein Bewerber für einen mit solchen Formulierungen von der Kandidatenliste geflogen ist. Doch selten wird ein solcher Fall von Alltagrassismus dermaßen bekannt. Der knappe Dreizeiler eines Mitarbeiters eines Elektronikgeschäfts im niederländischen Arnheim sollte eigentlichen an seinen Chef gehen, landete aber im Posteingang des Bewerbers.

Jeffrey Koorndijk, so sein Name, hätte sich vielleicht mit der Begründung abgefunden, dass es ihm für die Stelle als IT-Trainee an Computerkenntnissen fehlt. Doch wegen seiner Hautfarbe abgelehnt zu werden, wollte er nicht akzeptieren. Der junge Mann machte ein Bildschirmfoto der E-Mail und veröffentlichte es über Twitter und Facebook – schon war die Blamage für die Elektronikfirma komplett und die Niederlande um eine Rassismusdebatte reicher.

Im Netz erhält der 23-jährige Koorndijk viel Unterstützung. Zahlreiche Twitterer und Facebooknutzer bringen ihre Abscheu über die Vorurteile des Firmenmitarbeiters zum Ausdruck. Unter dem Schlüsselwort #discriminatie gibt es tausende Einträge im Kurznachrichtendienst Twitter. Seit Dienstag steht das Telefon bei dem Arnheimer Elektronikgeschäft nicht mehr still, die Webseite lässt sich momentan nicht aufrufen. „Wir haben einen großen Fehler gemacht“, sagt Eigentümer Mike de Wilde der niederländischen Zeitung Omroep Gelderland.

De Wilde sagt, er habe Jeffrey Koorndijk eine Entschuldigung angeboten. „Wir wollen uns von jeder Form von Rassismus distanzieren“, verspricht er. Den Mitarbeiter, der die E-Mail verschickt hat, wolle er bestrafen. Der Mann habe nach erhaltenen Drohungen nun Angst um seine Sicherheit.

Für Jeffrey Koorndijk reicht eine Entschuldigung und mögliche Bestrafung des Mitarbeiters für die rassistische Diskriminierung nicht aus. „Es war, als ob mir jemand in den Rücken gestochen hätte“, sagt er. Am schlimmsten für ihn war, dass er „erstens“ wegen seiner dunklen Haut abgelehnt wurde. Koorndijk hat angekündigt, juristische Schritte einzuleiten.

Till Simon Nagel
Till Simon Nagel
Handelsblatt Online / Freier Mitarbeiter

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