EADS
Wenn das Chaos Flügel bekommt

Kurz vor Weihnachten zog Tom Enders Bilanz. Die EADS habe ein erfolgreiches Jahr hinter sich, sagte der Konzernchef, und er habe allen Grund, davon auszugehen, dass auch das kommende ein gutes wird. Das war 2005. 2006 wurde dann aus Sicht der EADS ein Reinfall. Doch der Markt gibt den Europäern noch viele Chancen.

MÜNCHEN. "Wir haben ein Rekordauftragsbuch, und das müssen wir in profitables Wachstum umsetzen", sagt Tom Enders, der Co-Chef des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns. Sorgen mache ihm, dass bei der Flugzeugtochter Airbus die Ingenieure langsam knapp würden. Luxusprobleme kurz vor dem Fest. Das war 2005.

Zwölf Monate später ist Enders ernüchtert. "2006 war das annus horribilis für die EADS", sagt Enders vor Journalisten. Zweimal musste die Flugzeugtochter Airbus die Auslieferung des Riesenairbus A380 verschieben, weil der Konzern die Produktion nicht in den Griff bekam. Mindestens 4,8 Milliarden Euro kostet die Muttergesellschaft EADS das Desaster um das Prestigeprojekt. Es kommt noch dicker: Das Langstreckenflugzeug A350 XWB muss neu konstruiert werden, stolze 10 Milliarden Euro muss der Konzern für das Flugzeug aufwenden. Zudem fällt der Dollar ins Bodenlose, die Kalkulation gerät ins Wanken.

Das Verhältnis zwischen den Großaktionären Daimler-Chrysler, dem französischen Industriekonzern Lagardère und vor allem dem französischen Staat wird Belastungstests ausgesetzt, die in der Flugzeugentwicklung erfahrungsgemäß mit Ermüdungsbrüchen des Materials enden. Zu guter Letzt ermittelt die französische Börsenaufsicht gegen mehrere hundert Konzernmitarbeiter wegen des Verdachts, mit Insiderinformationen Kasse gemacht zu haben.

Die EADS hat im Jahr 2006 viel Kapital verspielt, bei Kunden, Aktionären und Mitarbeitern. Mit Noël Forgeard musste ein EADS-Chef seinen Hut nehmen, und für Gustav Humbert und Christian Streiff erwies sich der Airbus-Chefsessel als Schleudersitz. Tom Enders war Anfang des Jahres für Rüstung und Raumfahrt zuständig, Mitte des Jahres für Airbus und am Ende des Jahres wieder für Rüstung und Raumfahrt. "Ich bin der letzte verbliebene CEO des Jahres 2006", scherzt Enders.

Unübersehbar: Der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern ist bisweilen eine Schönwetterveranstaltung, die vor allem dann funktioniert, wenn sich alle im Erfolg der gemeinsamen Leistung sonnen können. Geht es jedoch schief, dann reißen alte Gräben auf. Dann gibt es eine EADS Deutschland, eine EADS Paris, ein Airbus-Werk Hamburg und ein Airbus-Hauptquartier Toulouse.

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