Ecclestone-Prozess
Formel-1-Boss erringt Etappensieg

Nun bestehen Zweifel an seinen Aussagen: Banker Gribkowsky hat sich laut einer Zeugin bei früheren Befragungen in der Bestechungsaffäre um Bernie Ecclestone widersprochen. Aus dem Schneider ist Ecclestone aber nicht.
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MünchenFür Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist der sechste Verhandlungstag in seinem Münchner Bestechungsprozess trotz einer starken Erkältung gut gelaufen. Eine wichtige Zeugin ließ am Dienstag Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen Gerhard Gribkowsky aufkommen. Sie hatte den Ex-Vorstand der bayerischen Landesbank als Staatsanwältin kurz vor seiner Verhaftung Ende 2010 mehrfach vernommen. Dabei habe der Banker verschiedene Versionen über die Gründe für sein ungewöhnlich hohes Millionenvermögen erzählt. Gribkowsky habe „mit den Geschichten total geschwankt“, sagte Hildegard Bäumler-Hösl.

Der Vorsitzende Richter Peter Noll griff den Begriff umgehend auf. „Die Geschichten des Dr. Gribkowsky - das ist eine schöne Überschrift.“ Trotzdem müsse es gelingen, den „Pudding an die Wand zu nageln.“ Der Banker war bereits drei Tage lang als Zeuge vernommen worden, muss aber Ende Juli noch einmal kommen, weil Ecclestones Verteidiger noch Fragen haben.

Gribkowsky hatte im Jahr 2006 im Auftrag der bayerischen Landesbank die Mehrheit an der Formel 1 verkauft und dabei 44 Millionen Dollar von Ecclestone erhalten. Während er das Geld als Bestechungsgeld darstellte und dafür zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, begründete Ecclestone die Zahlungen mit Bedrohungen durch Gribkowsky. Seine Anwälte wollen dem Banker in dem Prozess Lügen nachweisen und zeigten sich sichtlich erfreut von dem Wortwechsel über Gribkowskys „Geschichten“.

Auch der 83-jährige Ecclestone, der von seiner Erkältung mitgenommen aussah, hörte aufmerksam zu. Auf Wunsch seiner Anwälte wurde der Prozess wegen seines Gesundheitszustandes nach der Vernehmung der Staatsanwältin vorzeitig unterbrochen und bis zum Mittwoch vertagt. Ecclestone müsse sich schonen, um das weitere Verfahren durchzuhalten. Er war stark heiser und musste mehrmals husten. „Wir werden selbstverständlich auf Ihren Gesundheitszustand Rücksicht nehmen“, sagte Richter Noll.

Mit Staatsanwälten und Richtern ist der Angeklagte seit Dienstag ein Stück weit zusammengerückt. Nach fünf Verhandlungstagen im großen, fensterlosen Saal des Justizgebäudes fand der Prozess erstmals in einem deutlich kleineren Raum mit Fenstern statt. Dort soll es auch künftig an zwei Tagen pro Woche weitergehen. Als Angeklagter muss Ecclestone an allen Tagen persönlich nach München kommen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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