Ein Film über die britische Königin
„Lass dich von diesem affigen Blair nicht verunsichern“

Der neue Film des Briten Stephan Frears über die Queen löst in England hitzige Debatten aus. Seine umstrittene These: Elisabeth II. wollte nach dem Tod von Lady Diana abdanken, weil sie an sich selbst zweifelte.

LONDON. Es ist eine ausgesprochen monothematische Fotosammlung, die Abdulbaset Dawouds da zusammengetragen hat. Fast muss man schon von Obsession statt von Sammlerleidenschaft sprechen: Bilder von Prinzessin Diana – Diana allein, Diana mit ihren Kindern, Diana in der Menge. Dutzende von Fotos der „Prinzessin der Herzen“ hängen an den Wänden von Dawouds’ kleinem Imbiss-Lokal im Londoner Stadtteil Bayswater, das er, wen wundert es, auf den Namen Café Diana getauft hat.

Fotos aus jeder Lebensphase der hoheitlichen Ikone prangen über den Sitznischen mit den alten, abgeschabten Holzbänken. Aber auf keinem einzigen Foto ist Prinz Charles zu sehen, nicht einmal im Hintergrund, weder angeschnitten noch als Schatten. Der Ex-Mann und der Rest der königlichen Familie inklusive Queen Elisabeth: Unpersonen, schwarze Löcher im Leben der Lady Diana Spencer.

Es ist nicht schwer zu erraten, wo die Sympathien Dawouds’ und seiner Stammgäste im königlichen Tragödienspiel liegen, das Jahr für Jahr zum Ende des Sommers neu inszeniert wird. Das prominenteste Foto seiner Sammlung hat die unglückliche Prinzessin dem 45-jährigen Iraker schließlich selbst überreicht, als sie einmal für einen Blitzbesuch bei ihrem Bewunderer vorbeischaute.

Am 31. August 1997 starb Diana im Wrack eines Mercedes in einem Pariser Tunnel. Und auch in diesem Jahr ranken sich rund um den neunten Todestag die üblichen Titelgeschichten in den Boulevardblättern und die TV-Dokumentationen, die den Verschwörungstheoretikern so viel Spaß bereiten. Wurde Diana nicht doch vom britischen Geheimdienst ermordet? Im Auftrag der Windsors, die verhindern wollten, dass sie den Kaufhauserben Dodi Al Fayed und damit einen Moslem heiratet?

Business as usual für die Diana-Gedenk-Industrie, aber in diesem Jahr ist doch etwas anders. Am Freitag kommt der Film „Queen“ des Regisseurs Stephen Frears in die englischen Kinos. Frears, der sich früher mit Werken wie „Mein wunderbarer Waschsalon“ mit dem Schicksal der Arbeiterklasse in der Thatcher-Ära auseinander gesetzt hat, widmet sich dieses Mal dem annus horribilis des britischen Königshauses – dem Todesjahr von Prinzessin Diana.

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