Ein Leben „voll mit Sex, Drogen und Rock'n'Roll“
Les Humphries starb einsam zu Weihnachten

Mit „Mama Loo“ und „Kansas City“ brachte Les Humphries in den 70er Jahren frischen Wind und einen Hauch von Hippie-Romantik in deutsche Wohnzimmer. Der englische Sänger gründete eine der erfolgreichsten Popgruppen seiner Zeit. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Les Humphries bereits am 26. Dezember 2007.

HB LONDON. Mit ihren Evergreens landete seine bunte Multikulti-Truppe, die Les Humphries Singers, einen Hit nach dem anderen. Nach einer steilen Karriere stürzte Humphries selbst allerdings ab und machte mit Skandalen und einer Falschmeldung zu seinem Tod eher Schlagzeilen als mit Musik. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Les Humphries bereits am 26. Dezember 2007 in Basingstoke in Südengland an einer Lungenentzündung. Er wurde 67 Jahre alt.

John Leslie Humphreys wurde am 10. August 1940 in Croydon bei London geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Mit 13 Jahren trat er in das Musikkorps der britischen Marine ein. Sein erstes musikalisches Highlight erlebte er, als er 1958 der Königin-Mutter im Buckingham Palast am Klavier vorspielen durfte.

Sein Durchbruch kam aber mit dem Umzug nach Deutschland. 1966 ging er nach Hamburg, um wie die Beatles im Umfeld der Reeperbahn sein Bühnenhandwerk zu lernen. Innerhalb weniger Jahre entwickelten sich die Les Humphries Singers, die er 1969 gründete, zu einem Kracher. Die Gruppe verkaufte insgesamt rund 40 Mill. Platten und konnte sich mit zehn Goldenen Schallplatten schmücken. Ihre Europa-Tournee „Sound 73“ wurde 1973 zu einem legendären Erfolg.

Das Konzept „Sechs Nationen - in einem Sound vereint“ gepaart mit harmlosen Liedern und exotischen Flower-Power-Kostümen ging auf. Neben „Mama Loo“ und „Kansas City“ gehörten auch „Mexico“ oder der gospelartige Song „We Are Goin' down Jordan“ zu den Ohrwurm-tauglichen Erfolgen. Krimifreunden dürfte Humphries auch als Komponist der „Derrick“-Titelmelodie in Erinnerung sein.

Doch so schnell, wie der Erfolg die „Singers“ in die Charts katapultierte, so rasant ging es nach wenigen Jahren wieder abwärts. „Der neue Sound, der „Sound 74“, ist nichts als der Marschtritt des Kommerzes“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ damals. Nach einer Pleite 1976 als deutsche Vertreter beim Grand Prix d'Eurovision machte Humphries nur noch mit „Pannen, Prügeleien und Prozessen“ von sich reden, wie der „Stern“ berichtete.

„Er war talentiert, genial in Arrangement und Komposition“, sagte Maggie Kunze, die Les Humphries seit den 70er Jahren persönlich gekannt hat. Die Sprecherin der aus der Truppe hervorgegangenen Regional Singers würdigte Les Humphries Arbeit als „grandiose Leistung“. Bemitleidenswert seien hingegen die von Skandalen überschatteten letzten Jahre des Sängers gewesen: „Er war krank, er hatte wahnsinnig viele Probleme, die er wahrscheinlich nur durch eine gewisse Lebenshaltung kompensieren konnte.“

Die Ehe mit Schlagersängerin Dunja Rajter zerbrach nach vier Jahren. Dunja reichte 1976 die Scheidung ein und verließ die 18-Zimmer-Villa im Hamburger Elbvorort Blankenese mit dem gemeinsamen Sohn Danny. Die Trennung des „Pop- Paares vom Elbhang“ sorgte für Gesprächsstoff in der Presse. Humphries führte ein Leben „voll mit Sex, Drogen und Rock'n'Roll“, erinnerte sich Drews.

Sein Ausstieg aus dem Showgeschäft war von einem Steuerverfahren begleitet, und Humphries setzte sich nach England ab. 1992 plante er noch einmal ein Comeback. Alle seine Einkünfte aus den alten Platten flössen wegen der Steuerschuld immer noch direkt ans Finanzamt, klagte der Musiker damals. Er fühle sich „unschuldig und von seinen Beratern betrogen“. Zuletzt hatte sich der Musiker in der kleinen englischen Stadt Alton verschanzt, gelegentlich wurde von Alkoholexzessen und Einsamkeit berichtet.

Selbst sein Sterben lief nicht gewöhnlich ab: 1998 gab sich Humphries als sein eigener - nicht existierender - Zwillingsbruder aus und setzte die Ente über seinen angeblichen Tod selbst in die Welt. Als seine Nachrufe bereits gedruckt waren, nannte er die Angelegenheit allerdings ein „großes Missverständnis“.

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