Erdbeben in China
Rettungseinsätze laufen auf Hochtouren

Schlechte Versorgungslage und Nachbeben: Die Lage in den chinesischen Erdbebengebieten bleibt weiter angespannt. Tausende Helfer kämpfen sich in die betroffenen Ortschaften vor, die von der Außenwelt abgeschnitten sind.
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PekingNach dem verheerenden Erdbeben in Chinas Südwesten behindern Nachbeben und logistische Probleme die Rettungsarbeiten. Bislang meldeten die Behörden 188 Tote, mehr als 1,5 Millionen Menschen sollen von dem Beben in der Provinz Sichuan betroffen sein, berichtete das chinesische Staatsfernsehen.

Bis zum Montagmorgen wurden mehr als 2000 Nachbeben in Lushan, der Gemeinde unmittelbar am Epizentrum, registriert, so die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Am schlimmsten soll es den Stadtteil Longmen der Gemeinde Lushan getroffen haben. Die Vereinten Nationen berichten, dass dort 99 Prozent der Gebäude zerstört wurden. Die Häuser in der Gegend seien mit Holz- und Erdwänden gebaut, die den Erschütterungen nicht standhalten konnten. „Straßen wurden schwer beschädigt und von Erdrutschen verschüttet. Dutzende Brücken sind unterschiedlich stark kaputt. Die Hauptstraßen in die betroffenen Gebiete werden nach und nach wieder hergestellt“, heißt es weiter in dem UN-Bericht.

Vier Nachbeben erreichte einen Wert von 5,0 oder mehr. Das Erdbeben hatte sich am Samstagmorgen kurz nach 8.00 Uhr (2.00 Uhr MESZ) chinesischer Zeit ereignet. Chinas Erdbebenzentrum bezifferte die Stärke mit 7,0, die US-amerikanische Erdbebenwarte (USGS) setzte die Stärke bei 6,6 an.

Unterdessen läuft die Rettung auf Hochtouren. Chinas Volksbefreiungsarmee hat 18 000 Soldaten und paramilitärische Einheiten nach Sichuan geschickt. 23 Helikopter bringen Versorgungsgüter aus der Luft in die Region. Die militärische Polizei ist mit 5800 Einheiten vor Ort und hat nach eigenen Angaben 103 Menschen retten können. Stück für Stück arbeiten sich die Rettungskräfte seit Sonntag zu den kleineren Orten in der Nähe des Epizentrums vor. Das Beben hat Straßen verschüttet und so die Bergungsarbeiten aufgehalten.

Am Sonntagmorgen erreichte ein Trupp den Ort Baoxing, der bislang von der Versorgung abgeschnitten war. In der Gemeinde mit 58 000 Einwohnern gebe es keinen Wasser, keinen Strom und keine Elektrizität, sagte der Bürgermeister der Agentur Xinhua. „Das wichtigste ist jetzt, Leben zu retten“, betonte er. 26 Menschen seien dort bei dem Beben gestorben und 2500 verletzt worden.

Gucheng gehört zu den besonders stark betroffenen Gebieten. In dem Ort mit 3000 Einwohnern hat das Erdbeben viel zerstört. „Wir haben 13 Menschen aus dem Schutt gezogen, 10 von ihnen waren noch am Leben“, sagte ein Dorfsprecher der Agentur Xinhua. „Wir wissen noch nicht, ob noch mehr Menschen unter den Trümmern begraben sind. Aber wir suchen weiter.“

Nach Angaben des Ministeriums für zivile Angelegenheiten erreichte das Beben sogar die etwa 400 Kilometer entfernte Megacity Congqing. Dort wurden 400 Gebäude beschädigt und acht zerstört. In der Provinzhauptstadt Chengdu, etwa 140 Kilometer vom Epizentrum entfern, sprangen laut Medienberichten Menschen während des Bebens in Panik aus den Fenstern. Drei Menschen kamen dabei ums Leben.

Ministerpräsident Li Keqiang war am Samstag wenige Stunden nach dem Beben nach Sichuan gereist. Das Staatsfernsehen zeigte ihn vor einem Zelt-Dorf in der Nähe des Epizentrums nahe der Gemeinde Lushan. „Unter der starken Führung der Partei und Regierung und so lange wir zusammenstehen und unsere Rettungsarbeiten gewissenhaft durchführen, können wir die Zahl der Opfer minimieren und das Desaster überwinden“, sagte er. Auch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping versprach laut Xinhua den betroffenen Menschen jede erdenkliche Hilfe, um die Zahl der Opfer so gering wie möglich zu halten.

Schon 2008 hatte es unweit des Epizentrums bei Ya'an ein starkes Beben gegeben. Damals kamen nach offiziellen Angaben 87 000 Menschen um oder gelten als vermisst. Chinesische Erdbebenexperten stuften das Beben von Samstag bei Lushan als geringer ein und gingen von einer geringeren Zerstörung aus.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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