Erdbeben in Sichuan
China trauert um die Erdbebenopfer

Mit Schweigeminuten und dreitägiger Staatstrauer gedenkt China den Opfern des Erdbebens in Sichuan. Trotz widriger Bedingungen und weiterer Opfer gehen die Aufräumarbeiten weiter.
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HB PEKING. Um 14.28 Uhr Ortszeit (8.28 Uhr MESZ), genau sieben Tag nach dem Erdbeben kam das Leben in ganz China zum Stillstand. Es war ein schmerzlicher Moment. Viele Menschen weinten oder standen wie versteinert, den Blick betroffen auf den Boden gerichtet. Autos und Busse blieben mitten auf der Straße stehen. Die Fahrer hupten ununterbrochen. Sirenen heulten. Ein Milliardenvolk, das sonst nicht stillstehen kann, hielt inne. Es waren drei lange Minuten der Trauer und des Respekts für die vermutlich mehr als 50 000 Todesopfer des Erdbebens im Südwesten des Landes.

Erstmalig in der Geschichte der Volksrepublik wird dreitägige Staatstrauer, für einfache Chinesen, die einer Katastrophe zum Opfer gefallen sind, angeordnet. Der Beginn am Montag war nicht zufällig gewählt: Sieben Tage, so glauben die Chinesen, wandert die Seele eines Toten noch auf der Erde umher. Am 7. Tag (Touqi) kommt die Seele ein letztes Mal nach Hause. Zum Abschied gehen viele Chinesen mit einer Laterne ums Haus, um den toten Angehörigen den Weg ins Jenseits zu weisen. Nach diesem Glauben müssen im Katastrophengebiet Sichuan seit vergangenen Montag 14.28 Uhr Ortszeit zehntausende Seelen umhergewandert sein.

An einigen Orten kam es nach den Schweigeminuten zu spontanen und emotionalen Bekundungen der Solidarität für die Opfer. Am Flaggenmast auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking riefen tausende Teilnehmer „China, los, vorwärts“. Viele reckten dabei die Fäuste in die Höhe. Einige der Menschen schwenkten kleine rote Nationalfahnen oder sangen die Nationalhymne. Im Angesicht der Tragödie wollten die Menschen ihren Stolz auf das eigene Land ausdrücken, sagte ein Teilnehmerin. Mit Parolen und Nationalflaggen machte ein Demonstrationszug eine Runde um den Platz. Nach mehr als einer halben Stunde versuchten Polizisten, die Teilnehmer geduldig dazu zu bewegen, ihre Solidaritätsaktion zu beenden und langsam nach Hause zu gehen.

Währendessen gehen die Aufräumarbeiten im Erdbebengebit weiter. Eine 50-jährige Frau konnte aus den Trümmern eines Wohnhauses in Tianchi gerettet werden. Auch in der Kreishauptstadt Beichuan wurde eine Frau geborgen. Viele Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 6 auf der Richter-Skala und starke Regenfälle im Erdbebengebiet erschweren die Aufräumarbeiten. Durch Erdrutsche und Schlammlawinen kammen seit Samstag über 200 Helfer bei Aufräumarbeiten verschüttet berichtet ein Sprecher des Verkehrsministeriums nach Angaben chinesischer Medien

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