"Erotische Inszenierung"
Immendorff nach Kokain-Sexorgie vor Gericht

Unter großem Publikums- und Medienandrang hat vor dem Landgericht Düsseldorf der Kokain-Prozess gegen den Maler Jörg Immendorff begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-jährigen Kunstprofessor Drogenbesitz in nicht geringer Menge vor.

HB DÜSSELDORF. Im Drogen-Prozess gegen den Maler Jörg Immendorff hat sich der 59-Jährige in allen Anklagepunkten geständig gezeigt. „In der Tat ist alles so richtig wie es in der Anklage steht“, verlas Verteidiger Rüdiger Spormann im Düsseldorfer Landgericht eine Stellungnahme des Künstlers, der sichtbar von einer unheilbaren Nervenkrankheit gezeichnet neben ihm auf der Anklagebank saß. Der Maler habe im August 2003 mehrere Prostituierte in ein Düsseldorfer Luxushotel bestellt, um dort eine Party auch mit Hilfe von Kokain zu feiern. „Es handelte sich um eine erotische Inszenierung, ohne dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen ist“, sagte Verteidiger Rüdiger Spormann.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Maler unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln in 27 Fällen zwischen Februar 2001 und August 2003 vor. Außerdem soll er das Rauschgift auch weitergegeben haben. Immendorff droht in dem Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft sowie unter anderem der Verlust seiner Professur an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie und seiner Pensionsansprüche. Zur Verteidigungstaktik wollte sich Immendorffs Anwalt Rüdiger Spormann vor Prozessbeginn nicht äußern. Er gehe aber davon aus, dass der Künstler auf der Anklagebank Platz nehmen werde. Dies war zuletzt fraglich, da Immendorff an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidet, was Zweifel an seiner Verhandlungsfähigkeit aufkommen ließ. Das Urteil wird Ende August erwartet.

Die Polizei hatte den 59-Jährigen im August vergangenen Jahres in einer Luxushotel-Suite mit neun Prostituierten bei einer Sex- und Kokain-Orgie auf frischer Tat ertappt. Bei der Razzia in dem Hotel sowie dem Atelier und der Wohnung des Künstlers fanden die Ermittler insgesamt 21,6 Gramm Kokain. Insgesamt elf Prostituierte hatte der weltberühmte Maler in das noble Ambiente gebeten, zwei Frauen trafen noch ein, als die Ermittler das Treiben bereits beendet hatten. Der Verdacht, das darunter auch minderjährige Mädchen sein könnten, bestätigte sich nicht. Seit mehr als zwei Jahren feiere er in dem Hotel Partys, erklärte der geständige Immendorff den Beamten. Die Feiern hätten meist am Nachmittag begonnen und in der Nacht geendet.

Allein eine Orgie sollte den Professor insgesamt eine fünfstellige Summe für "mehrstündige sexuelle Dienste" kosten, errechneten die Ermittler. "Wir hatten mit Herrn Professor Immendorff nie ein Problem", sagte der Hoteldirektor Roland Ross auf Anfrage. Er habe erst von der Polizei erfahren, dass dies nicht die erste Drogenparty Immendorffs gewesen sein soll.

Die Razzia ging auf eine anonyme Informantin zurück, die offenbar selbst einmal früher an einer Party des Professors teilgenommen hatte und im Frühjahr einen Brief an die Staatsanwaltschaft schrieb. In dieser Zeit war der Künstler im russischen St. Petersburg, um gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine eigene Skulptur als Geschenk zu übergeben - ausgerechnet eine überdimensionale Nase.

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