Es geht noch schlimmer
Ein schwarzes Jahr für die Iraker

2006 war für die Iraker ein tiefschwarzes Jahr - und das gilt für Angehörige aller Parteien und Konfessionen des Landes. Zwar gelang es den Amerikanern, den Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zu töten und Ex-Machthaber Saddam Hussein vor Gericht zu bringen. Doch weder al-Sarkawis Tod noch das Todesurteil gegen Saddam haben zu einer Beruhigung der Lage beigetragen.

HB KAIRO. Vor allem der blutige Konflikt zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und der vom Saddam-Regime einst bevorzugten sunnitischen Minderheit ist in diesem Jahr so eskaliert, dass man kaum noch gemäßigte Stimmen hört. Eine Zäsur war aus Sicht der meisten irakischen Beobachter der Sprengstoffanschlag auf ein wichtiges Heiligtum der Schiiten in Samarra im vergangenen Februar, der zu einer Welle von Attacken auf Sunniten führte, die ihrerseits mit Racheaktionen antworteten.

Den einflussreichsten sunnitischen Geistlichen des Irak, Scheich Harith al-Dhari, hat die von den Schiiten dominierte Regierung inzwischen außer Landes getrieben, indem sie gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen angeblicher Aufrufe zu Hass und Gewalt eröffnete. Das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, der zurückgezogen in Nadschaf lebende Großayatollah Ali al-Sistani, äußert sich fast überhaupt nicht mehr öffentlich zu dem Chaos, das blutrünstige Milizionäre und fanatische Terroristen anrichten.

Die nach langwierigen Geburtswehen gebildete Regierung von Nuri al-Maliki steht unterdessen, sieben Monate nach der Vereidigung der Kabinettsmitglieder, vor dem Kollaps. Fünf Minister der radikalen Schiiten-Bewegung von Muktada al-Sadr haben ihre Posten niederlegt. Hinter den Kulissen sägen die Mitglieder der anderen Regierungsparteien an Al-Malikis Stuhl.

Die letzten noch verbliebenen Angehörigen der intellektuellen Elite des Landes sitzen derweil auf gepackten Koffern. Und in Bagdad und Bakuba vergeht kein Tag, ohne dass die Polizei auf den Straßen Dutzende von Leichen getöteter Zivilisten findet. Angesichts des täglichen Horrors räumen inzwischen auch einige der früher noch siegessicheren Politiker in Bagdad ein, dass auch sie keine "Zauberformel" haben, um den Teufelskreis von Gewalt und Rache zu durchbrechen.

Seite 1:

Ein schwarzes Jahr für die Iraker

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%