Evolutionäre Anthropologie
Ökonomisch handelnde Affen

Wo der Mensch die Vorhersagen der Wirtschaftsforscher immer wieder enttäuscht, da erfüllen ausgerechnet Affen die Erwartungen. Im Gegensatz zum Homo sapiens handelt der Schimpanse Pan troglodytes aus reinem Selbstinteresse – ganz wie es das wirtschaftswissenschaftliche Modell des Homo oeconomicus verlangt. Schimpansen fehlt der Sinn für Fairness.

DÜSSELDORF. Das zeigten Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie kürzlich im Fachmagazin „Science“. Das Forscherteam um Keith Jensen kitzelte auch noch den letzten Funken Egoismus der Affen im „Ultimatum-Spiel“ heraus.

Bei diesem Klassiker der experimentellen Wirtschaftsforschung erhält Akteur A vom Spielleiter eine bestimmte Menge Geld (oder im Fall der Affen Rosinen), die er mit Akteur B teilen kann – wie viel er abgibt, entscheidet A. Wenn Akteur B das Angebot akzeptiert, dürfen beide das Geld behalten, lehnt B ab, geht auch A leer aus.

Ökonomisch betrachtet, müsste Akteur B jeden Betrag annehmen, denn es wäre auf jeden Fall ein Gewinn. Trotzdem verzichten menschliche Probanden in der Regel, sobald ihnen ihr Gegenüber deutlich weniger als die Hälfte anbietet. Sie verzichten lieber, als ein unfaires Angebot anzunehmen, und bestrafen damit auch ihren Mitspieler. Menschlich verständlich, doch nach dem Modell des Homo oeconomicus unvernünftig.

So betrachtet, zeigten sich die Schimpansen vernünftiger: Sie akzeptierten auch Angebote, wenn ihnen der Mitspieler auch nur zwanzig Prozent der Rosinen anbot. Jensen und seine Kollegen spielten das „Ultimatum-Spiel“ mit ihren Affen mit verschiedenen Angeboten: übermäßig faire, ausgeglichene und ein sehr unfaires Angebot, bei dem ein Affe keine, der andere aber alle zehn Rosinen erhalten hätte. Nur in diesem Fall lehnte der zweite Affe das Angebot ab. In allen anderen Fällen, auch den unfairen, akzeptierte er und nahm, ganz Pan oeconomicus, mit, was er kriegen konnte.

Die Forscher schlussfolgerten, dass Schimpansen – anders als der Mensch – der Sinn für Fairness fehlt. Sie sind weder bereit, faire Angebote vorzuschlagen, noch unfaire abzulehnen. Schimpansen arbeiten zwar zusammen, aber nur wenn beide davon profitieren. Sie kooperieren nur, wenn sie auch eine Gegenleistung bekommen.

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