Facebook-Posting von Ariane Friedrich
Netz diskutiert „Internet-Pranger“

Nachdem die Sportlerin Ariane Friedrich bei Facebook einen Belästiger geoutet hat, diskutiert das Netz über die Zulässigkeit und die Gefahren von sogenannten „Internet-Prangern“.
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DüsseldorfVor wenigen Tagen hat Hochspringerin Ariane Friedrich einen angeblichen Stalker auf Facebook geoutet – mit vollem Namen. Im Netz zeigen zahlreiche Nutzer und Kommentatoren Verständnis für Friedrichs Reaktion. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Auch auf der Handelsblatt-Facebook-Fanpage gehen die Meinungen auseinander. Für Hermann Khun ist die Aktion der Sportlerin schlichte Notwehr: „Wenn mir einer was will, dann wehre ich mich“, schreibt Khun. Auch Robert Soran von Grosswardein findet, dass solche und ähnliche Aktionen „in einem freien Land“ erlaubt sein müssten. „Absolut richtig gehandelt; das hat nix mit Selbstjustiz zu tun! Wer in die Küche geht, muss mit Hitze rechnen“, meint Nutzer Harald Scheidt.

Husy Adriana geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie ist der Meinung, dass alle Stalker, die „hundertprozentig identifiziert wurden“, namentlich auf Facebook „erwähnt“ werden sollten. „Sonst hört das ja nie auf“, erklärt die Kommentatorin ihre Beweggründe.

Aber auch die Kritiker des von Friedrich inszenierten „Internet-Prangers“ melden sich in den Kommentaren auf der Handelsblatt-Fanpage zu Wort: Joachim Schönke findet den Hinweis auf Notwehr nicht passend, da keine Gefahr im Verzug gewesen sei. Eben deswegen hätte sich Friedrich mit einer Anzeige begnügen sollen. Für Sven An gilt zudem erst einmal die Unschuldsvermutung, die vom Rechtsstaat geschützt sei: „Selbstjustiz sollte bei John Wayne und dem Wilden Westen bleiben (…). Vorher nachdenken war da schon immer besser.“

Spiegel Online gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass der Facebook-Pranger so oder so auch Unschuldige trifft, selbst wenn der erwähnte Mann die Belästigung tatsächlich begangen hat. Den Wohnort, den Friedrich in ihr Facebook-Posting schrieb, gibt es in Deutschland gleich dreimal. Allein in einem davon wohnen mindestens zwei Männer mit dem Namen des öffentlich Bloßgestellten, die sich nun vermutlich gegenüber Freunden und Bekannten erklären müssen.

Ariane Friedrich könnten nach dem Outing tatsächlich rechtliche Konsequenzen drohen – jedenfalls laut Thomas Stadler. Der Fachanwalt für IT-Recht beurteilt die Rechtslage in seinem Blog Internet-Law und erklärt, warum die Sportlerin mit einer Anzeige rechnen muss. Generell sei, so Stadler, die Behauptung wahrer Tatsachen durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Im Einzelfall könne dieses Recht im Hinblick auf Persönlichkeitsbelange des Betroffenen eingeschränkt werden. „Das Persönlichkeitsrecht greift dann, wenn sich die Veröffentlichung von beanstandungswürdigem Verhalten auf das Ansehen und die Persönlichkeitsentfaltung des Betroffenen auswirkt“, beschreibt Stadler. Friedrich hätte demnach prüfen müssen, ob der Absendername korrekt sei und nicht Träger desselben Namens nun mit falschen Vorwürfen konfrontiert würden. „Weil die realistische Gefahr der Verletzung von Rechten Dritten besteht, ist die Vorgehensweise der Sportlerin nicht von der Rechtsordnung gedeckt.“, fasst der Rechtsanwalt zusammen. Durch die „Stigmatisierung“ und „Prangerwirkung“ des Absenders sei die Veröffentlichung seiner Daten unzulässig.

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„Unschuldige an den Pranger“?

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  • @weltenbummlerin: dann lesen sie sich mal ganz genau Art. 1 des Grundgesetzes durch. das gilt für JEDEN.

  • Habe mehrere prepubertäre Stalkerinnen und deren Anhang am Hals,
    wer hilft mir ?

  • Die Lady hat vollkommem richtig gehandelt. Courage zeigen und den Belästigungen einen Riegel vorschieben, und dabei von vornherein auch auf den kleinsten Spatz mit der größten Kugel schießen, die man finden kann. Ich hätts genauso gemacht, auch auf die Gefahr hin, anschließend selber was aufs Dach zu kriegen!

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