Feinkosthändler Ralf Bos
Trüffelpapst mit Schwein

Wer einem leibhaftigen Sterne-Koch beim Shoppen über die Schulter schauen möchte, sollte nach Meerbusch am linken Niederrhein fahren. Denn Ralf Bos liefert, was in deutschen Spitzenrestaurants auf den Teller kommt. Besonders bekannt ist er für seine Liebe zur „Königin Italiens“.

MEERBUSCH. „Ralfi“, wie ihn hier viele nennen, ist an seinem Geburtsort bekannt wie ein bunter Hund – wie sonst nur der Künstler Joseph Beuys oder Werbestar Verona Pooth, geborene Feldbusch, die Meerbusch als Dauer-Domizil gewählt hat.

In den Geschäftsräumen seines familiär geführten Betriebs, der Bos Food GmbH, herrscht gerade lebhafter Telefonverkehr. Und Jean-Claude Bourgueil, mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneter Gastronom, stöbert genüsslich durch die gefüllten Regale. Seit drei Jahrzehnten sorgt Bourgueil im Düsseldorfer „Schiffchen“ für kulinarische Überraschungen. Gleich, ob der Meisterkoch noch ein paar Flaschen natursüßen Banyuls-Wein für seine „Ambroisie von der Gänseleber“ benötigt, etwas grünes Wasabi-Meerrettichpulver für den Fischgang oder einen Drei-Kilo-Eimer mit Guanaja-Schokolade für das Dessert – bei Bos Food wird er fündig.

Doch der „Clou“ der Familie Bos ist eine unscheinbare Knolle mit einem umso auffallenderen Namen: die weiße Trüffel, die „Königin Italiens“.

Viele seiner Kunden, und darunter befinden sich nach Bos’ Angaben fast alle 200 deutschen Sterne-Köche, kommen ihretwegen. Das heißt: Eigentlich bestellen die meisten aus dem Katalog und per Fax. Aus dem Gerät flattern die Tages-Orders wie im Schnelldurchlauf. Auf etwa 230 Euro bemisst sich der durchschnittliche Wert einer Bestellung.

Auch die allerfeinsten Restaurant-Adressen, die sogar über den heiß begehrten dritten Michelin-Stern verfügen, bedienen sich Bos’ Dienste: Harald Wohlfahrt von der „Traube Tonbach“ braucht diese Woche noch Nachschub an Balsamico-Essig und Risottoreis; Dieter Müller vom „Schlosshotel Lerbach“ in Bergisch Gladbach bestellt gleich 21 Kilo Kuvertüren der Marke „Valrhona“, dem „Maybach“ unter den Schokoladen, sowie ein Kilo Zimt für adventlich angehauchte Nachspeisen.

Innerhalb von 24 Stunden ist die gewünschte Lieferung beim Kunden. „Garantiert, und wenn es bis zur Burg Wernberg nach Deutsch-Tasmanien gehen soll“, sagt Bos und meint damit die Wirkungsstätte des hochgelobten Nachwuchskochs Christian Jürgens in der Oberpfalz – immerhin auch schon im Besitz von zwei Michelin-Sternen.

Ansonsten gibt sich Bos eher bescheiden. „Ich habe viel Glück gehabt“, sagt er. Und dann erzählt er davon, wie alles begann. In einem Hinterhof-Laden in Düsseldorf-Derendorf startete er 1990 mit dem Import von einer Tonne kanadischem Wildreis, die er zum Verkauf in 250-Gramm-Säckchen umfüllte. Aus der Zeit stammt auch noch das Bos-Food-Logo, das eine kanadische Grisli-Tatze darstellen soll. „Naja, es ähnelt eher einer Teddybärentatze, aber wir haben uns halt daran gewöhnt“, sagt der 1,90 Meter große Genussfreund, dessen rundliche Gemütlichkeit ihm selbst etwas von einem Teddybären verleiht.

Der 45-Jährige, der vom Koch über Kellner bis hin zum Sommelier faktisch jeden Beruf im Gastgewerbe erlernt und ausgeübt hat, versteht sich als „verlängerten Arm der Spitzengastronomie“. Deren hohe Anforderungen an die Qualität der Produkte kennt er aus eigener Anschauung. Mit seinem Festpreissystem, das die Kalkulation des Gastwirts erleichtern soll, und dem Verzicht auf Mindestbestellmengen, bindet Bos inzwischen rund 10 000 Kunden, davon 300 aus der absoluten Belle-Etage der Kulinarik. Mit rund 80 Mitarbeitern macht Bos Food einen Jahresumsatz von 15 Millionen Euro.

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