Flugkatastrophe von Ramstein
Viele Opfer leiden bis heute

Am 28. August 1988 endete eine Flugschau auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in einer blutigen Katastrophe: 70 Menschen starben, hunderte wurden schwer verletzt, als drei Maschinen einer Kunstflugstaffel in der Luft kollidierten. Die Folgen des Unglücks vor 20 Jahren beschäftigen Betroffene und Behörden bis heute.

ap RAMSTEIN. Die Katastrophe ereignete sich um 15.44 Uhr. Drei Maschinen der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori stießen am 28. August 1988 beim Flugtag auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in der Pfalz in der Luft zusammen. Eine der abstürzenden Maschinen schlug anschließend in unmittelbarer Nähe zu den Zuschauern auf. Die Folgen des Unglücks, bei dem 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, beschäftigen Betroffene und Behörden bis heute.

„Auch dieser Jahrestag wird für die Betroffenen wieder ein schwerer Tag“, sagt Sybille Jatzko, die seit 20 Jahren Ramstein-Opfer betreut. Viele Opfer durchlebten die eigenen Verletzungen, den Verlust naher Angehöriger, die Bilder von verbrannten Menschen immer wieder aufs Neue. „So etwas geht nie weg“, sagt die Therapeutin. „Die Menschen lernen nur, damit umzugehen.“

Schätzungsweise 350 000 Menschen halten sich auf der Air Base auf, als einem der italienischen Piloten bei der Flugfigur „Das durchstoßene Herz“ ein Fehler unterläuft und die Katastrophe in Gang setzt. Die Zuschauermenge wird von einem Hagel aus Trümmerteilen und brennendem Kerosin getroffen. Mehrere Dutzend Menschen sind sofort tot. Die rund 450 Schwerverletzten erleiden teils schwerste Verbrennungen.

Roland Fuchs aus dem baden-württembergischen Waibstadt ist mit seiner Frau Carmen und Tochter Nadine bereits auf dem Weg zum Auto, als die brennende Maschine abstürzt. Während Carmen Fuchs durch ein Trümmerstück am Kopf getroffen und getötet wird, stehen Vater und Tochter Bruchteile von Sekunden später in Flammen. Brennendes Kerosin lässt Haare und Kleidung sofort Feuer fangen. Der gelernte Schreiner erleidet schwerste Hautverletzungen und überlebt die Katastrophe nur knapp. Seine fünfjährige Tochter stirbt am 9. September in einer Ludwigshafener Klinik.

Ärzte und Sanitäter sind mit der ungeheuren Zahl der Verletzten völlig überfordert. Die Opfer werden teils in Bussen und auf Pritschenwagen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Ein Bus mit einem ortsunkundigen Fahrer irrt auf der Suche nach einer Klinik noch Stunden später durch Ludwigshafen. Zudem hapert es an der Kommunikation zwischen den US-Streitkräften und deutschen Stellen. „Persönlich kann ich sagen, dass zu keinem Zeitpunkt irgendeine Koordination vorhanden war“, bilanziert einer der eingesetzten Notärzte später vor dem Innenausschuss des Mainzer Landtags.

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