Frage nach weiteren Tatverdächtigen
Dresdner Kofferbomber wollte Deutsche Bank erpressen

Dreieinhalb Monate nach dem Fund einer Kofferbombe im Dresdner Hauptbahnhof ist der Bombenleger gefasst worden. Spezialkräfte des LKA Sachsen haben den Mann festgenommen. Der 62jährige hat inzwischen die Tat gestanden.

HB DRESDEN. Die Tat vom Pfingstwochenende auf dem Dresdner Hauptbahnhof hatte nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden vom Montag keinen terroristischen, sondern einen kriminellen Hintergrund. Als Tatverdächtigen nahm die Polizei einen hoch verschuldeten Geschäftsmann aus Sachsen fest, der nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt (LKA) die Deutsche Bank erpresst hatte und mit der Bombe seine Forderung untermauern wollte.

Den Ermittlungen zufolge forderte der geständige Mann in mehreren Erpresserschreiben zwischen 50 und 120 Mill. € und drohte damit, andernfalls eine Bombe gegen die Bank einzusetzen. Sachsens Innenminister Horst Rasch (CDU) sagte, es gebe offensichtlich keinen politischen Hintergrund. Die Deutsche Bahn äußerte sich erleichtert und erklärte, die Tat werde nicht ohne Konsequenzen bleiben. Man erhoffe sich von dem Fahndungserfolg auch eine abschreckende Wirkung auf Trittbrettfahrer.

Tatverdächtiger hoch verschuldet

Bei dem Beschuldigten handelt es sich nach Polizeiangaben um den hoch verschuldeten 62-jährigen Finanz- und Immobilienmakler Ulrich V. aus Ellefeld im Vogtland (Sachsen). Er habe angesichts der erdrückenden Beweislage die Tat gestanden. Nach Angaben der Polizei wurde er auch auf Grund einer DNA-Analyse ermittelt. Nach Angaben von Innenminister Rasch ist der Mann wegen räuberischer Erpressung vorbestraft.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, der Geschäftsmann sei am Sonntagnachmittag in Zwota im Vogtland in der Nähe einer Tankstelle festgenommen worden. Er sitze auf Grund eines bereits vorher erlassenen Haftbefehls in Untersuchungshaft. Gegen ihn werde unter anderem wegen Erpressung und Vorbereitung eines Explosionsverbrechens ermittelt.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Es gebe keine Hinweise auf Mittäter, hieß es. Bei der Durchsuchung von Wohn- und Geschäftsräumen sei umfangreiches Beweismaterial sicher gestellt worden, darunter Sprengstoff, Sprengschnüre sowie Zünder. Aus dem Material hätte eine weitere Bombe gebaut werden können, sagte der Dresdner Staatsanwalt Andreas Feron der Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Bank in Frankfurt wollte keine Stellungnahme abgeben und verwies auf die Sicherheitsbehörden in Sachsen.

Feron sagte, der Beschuldigte habe insgesamt sieben Erpresserschreiben an die Deutsche Bank gerichtet, fünf davon vor dem Fund der Bombe. Das sechste Schreiben sei am Freitag vor Pfingsten abgeschickt worden, an dem Tag, an dem der Täter die Kofferbombe auf dem Dresdner Hauptbahnhof deponiert hatte. Ein siebentes Schreiben habe die Bank am vergangenen Freitag erreicht. Der Tatverdächtige habe angegeben, dass die Kofferbombe in Dresden nicht habe explodieren können. Die Polizei geht allerdings weiter davon aus, dass der Sprengsatz zündfähig war.

Die Dresdner Kofferbombe war am Freitag vor Pfingsten von Bahnmitarbeitern auf einem Fernbahnsteig entdeckt worden. Spezialkräfte der Polizei hatten die Sprengvorrichtung mit einer Wasserkanone entschärft. Bei einer Explosion hätte es nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden mehrere Tote und Verletzte gegeben. Der Koffer enthielt unter anderem 1,6 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoff TNT, einen Schnellkochtopf und Schottersteine zur Verstärkung der Splitterwirkung sowie eine Zündvorrichtung.

Die Ermittlungen waren von einer Sonderkommission „Bahnhof“ geführt worden. Bei der Polizei gingen seither mehr als 300 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Zur Ergreifung des Täters hatte die Bahn eine Belohnung von 10 000 € ausgesetzt. Weitere Einzelheiten will die Polizei am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Dresden mitteilen.

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