Friedensnobelpreis: 199 Namen auf der Kandidatenliste
Noble Spekulationen

Geir Lundestad ist dieser Tage ein gefragter Mann. Der 60-jährige Direktor des Nobel-Instituts in Oslo bleibt aber alle Antworten schuldig. Er lässt sich nichts, aber auch gar nichts anmerken, selbst wenn er mit Namen konfrontiert wird. Der Mann mit dem schütteren weißen Haar und der ovalen Brille trägt ein Geheimnis, dass er erst am Freitag Punkt 11 Uhr in der norwegischen Hauptstadt lüften wird. „Der diesjährige Friedensnobelpreis wird verliehen an...“

STOCKHOLM. In Oslo brodelt die Gerüchteküche. Der mit zehn Mill. Kronen (1,1 Mill. Euro) dotierte Friedensnobelpreis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen der Welt. Und es gibt wohl kaum einen Politiker, Friedensaktivisten oder Vertreter einer internationalen Organisation, der morgen vergessen wird, sein Mobiltelefon einzuschalten. Es könnte ja ein Anruf aus dem hohen Norden kommen. Nicht allzu weit vom Telefon sollten sich U2-Frontmann Bono und sein Mitstreiter, der Ex-Boomtown-Rats-Star Bob Geldorf entfernen. Zumindest, wenn man den Wettbörsen traut. Ein Einsatz bei einschlägigen Buchmachern auf beide Rockmusiker, die sich seit Jahren aktiv für die Ärmsten der Welt einsetzen, ist zumindest aus finanzieller Sicht nicht mehr sonderlich lukrativ.

Noch weniger lässt sich mit dem ehemaligen finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari verdienen. Er hat im August nach halbjährigen intensiven Vermittlungsgesprächen den Friedensvertrag zwischen der indonesischen Regierung und der Seperatistenbewegung in der Unruheprovinz Aceh ausgehandelt. Allerdings: Die Vorschläge für alle Nobelpreise müssen stets bis spätestens 1. Februar des aktuellen Jahres eingereicht werden. Und Lundestads fünfköpfiges Nobelpreiskomitee macht keinerlei Ausnahmen. Kommt ein Vorschlag auch nur eine Minute zu spät, ist der Kandidat allenfalls im Folgejahr ein heißer Tipp. Da der finnische Ex-Präsident die Friedensvermittlung erst im August dieses Jahres erfolgreich abschloss, müsste schon ein mit prophetischen Gaben ausgestatteter Vorschlaggeber am Werke gewesen sein.

Anders ist das bei den beiden US-Politiker Sam Nunn und Richard Lugar. Sie setzten sich in den vergangenen Jahren für die sichere nukleare Abrüstung in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein. Ein weiterer heißer Tipp unter den in diesem Jahr vorgeschlagenen 199 Kandidaten (darunter auch Gerhard Schröder) ist der Chef der Atomaufsichtsbehörde der Vereinten Nationen, Mohamed el Baradei.

Folgt das Nobel-Komitee festen Regeln, dürfte sich die japanische Organisation Nihon Hidankyo, in der sich Überlebende der Bombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki zusammengeschlossen haben, in 2005 Hoffnungen machen. Auch 1985 und 1995 haben Anti-Atom-Organisationen die Auszeichnung erhalten. Im vergangenen Jahr erhielt die kenianische Umweltschützerin Wangari Maathai den Preis.

Es darf also spekuliert werden. Da dem Chef des Nobel-Instituts nichts zu entlocken ist, sollte man vielleicht die Gästelisten in Oslos Hotels studieren. Findige Köpfe haben nämlich bemerkt, dass in den vergangenen 15 Jahren die Hälfte aller Friedensnobelpreisträger im aktuellen Jahr vor der Bekanntgabe in Oslo weilte. U2 spielte im August in der norwegischen Hauptstadt.

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