„Fuchs, du hast die Gans gestohlen“
Ganz Deutschland diskutiert über ein „nicht-veganes“ Kinderlied

Die Stadt Limburg kommt der Bitte einer Veganerin nach und streicht das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ aus dem Repertoire für das Glockenspiel am Rathaus. Schnell eskaliert die Debatte darüber bundesweit.
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LimburgEine Posse aus Hessen um ein Kinderlied, eine Veganerin und einen Bürgermeister sorgt bundesweit für Aufsehen und Kopfschütteln. Bei manch einem Fleischliebhaber sogar für Entrüstung. Entsprechend gepfefferte Mails und Anrufe erreichen derzeit die Stadt Limburg, in der die Geschichte spielt. „Die Reaktionen sind unverständlich und überzogen“, sagt Sprecher Johannes Laubach am Freitag. Er berichtet von Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar von Rücktrittsforderungen gegen den Rathauschef. Wundern tut ihn das allerdings nicht: Auf Behörden und Minderheiten wie eben Veganer werde gerne draufgehauen.

Und das alles, weil der Bürgermeister auf Bitten einer empfindsamen Limburgerin vorübergehend den Kinderlied-Klassiker „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ aus dem Repertoire für das Glockenspiel am Rathaus gestrichen hat. Das Stück ist im 19. Jahrhundert - lange vor dem aktuellen Trend zur rein pflanzlichen Ernährung - entstanden und galt bislang als weitgehend harmlos. Zumindest haben seither Generationen von Kindern gesungen, dass der Fuchs das gestohlene Federvieh hergeben solle, weil ihn sonst der Jäger mit dem Schießgewehr hole. Kaum einer nahm nachweisbar öffentlich Anstoß an den fuchsfeindlichen Zeilen. Bis jetzt.

Die Limburgerin habe ihn nett gefragt, „ob man das Lied nicht aus dem Programm nehmen könne, weil sie sich als Veganerin damit nicht wohl fühlt“, sagte Bürgermeister Marius Hahn (SPD) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Frau arbeitet demnach in der Nähe des Rathauses, hörte häufig die Melodie und hatte dann offenbar immer den Text vor Augen. „Und wer bin ich, ihr so einen freundlich vorgetragenen Wunsch abzuschlagen. Ich habe es nett gemeint“, sagte Hahn der Zeitung. Ideologie habe keine Rolle gespielt, und er wolle keinen Glaubenskrieg zwischen Fleischessern und Veganern anzetteln.

„Eine empathische Geste“ nennt der Vorsitzende der Veganen Gesellschaft Deutschland, Christian Vagedes, das Vorgehen des Rathauschefs. „Jedoch wird sich nicht jeder Veganer mit der Bitte der Limburgerin identifizieren können.“

Die Tierrechtsorganisation Peta äußerte bereits Verständnis für die Limburgerin und bat den Bürgermeister, das Lied dauerhaft aus dem Programm zu nehmen. „Altertümliche Lieder wie dieses oder auch Märchen wie „Rotkäppchen und der böse Wolf“ sind leider noch immer weit verbreitet und senden vor allem an Kinder ein falsches Zeichen, indem sie ein schlechtes Licht auf bestimmte Tiere werfen.“ Die Jagd auf Füchse sei unnötig und grausam.

Für den Vegetarierbund Deutschland ist klar: „Wir erleben in unserer Gesellschaft gerade einen grundlegenden Wandel unserer Einstellung zum Thema Ernährung.“ Solche Veränderungen „brauchen immer eine gewisse Zeit und erzeugen oft zunächst auch Diskussionen und Widerstände“, sagt Sebastian Joy von der Geschäftsführung des Verbandes. Es sei gut, Traditionen kritisch zu hinterfragen. „Wenn sie nicht mehr zeitgemäß sind, sollten wir uns von ihnen verabschieden.“ Unsere Tradition sei so vielfältig, „dass sie nicht gleich daran zusammenbricht“, wenn wir uns von einem Lied trennen.

Über den Limburger Fall berichten seit Donnerstag zahlreiche Medien, häufig augenzwinkernd. Radiomoderatoren regten bereits „vegane“ Lieder als Alternativen an: „Blau, blau, blau blüht der Enzian“ oder „Vielen Dank für die Blumen“. Die humorvolle Verarbeitung passt auch zur Entstehungsgeschichte der Fuchs-Verwicklung.

Bürgermeister Hahn habe die Bitte der Veganerin zunächst bei einer Büttenrede aufs Korn genommen, berichtet Stadtsprecher Laubach. In Anspielung auf seinen Nachnamen reimte er demnach: „Der Hahn, der Hahn ist nicht vegan und er sagt's ganz unverhohlen: Fuchs, du hast die Gans gestohlen.“ Als kleine Geste sei dann das Lied vorerst aus dem Programm genommen worden. Limburg erlaubt aber nur eine Schonfrist für den Fuchs. „In einigen Wochen wird es wieder gespielt.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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