Fußball-WM 2006
Warum guckt der Franz so ernst?

Der Confed-Cup war eine rundum gelungene Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Chef-Organisator Franz Beckenbauer schaute trotzdem nicht glücklich drein.

HB DÜSSELDORF. Irgendwie sah der Franz nicht gut aus. Da stand er da, mit 1,81 Metern den Blatter Sepp einen halben Kopf überragend, und wirkte, als ob er gute Miene zum bösen Spiel machen müsse. Während Blatter, Chef des Weltfußballverbandes Fifa, freudetrunken den Kameras seinen Daumen entgegenstreckte, reckte Beckenbauer angestrengt und abgekämpft den seinen. "Mensch Kaiser", möchte man ihm nachträglich zurufen, "war doch alles super. Lach doch mal richtig!"

Denn in der Tat hatte der Franz allen Grund, den Sepp in der Disziplin "freudiges Grinsen" um zwei Mundwinkellängen zu übertrumpfen. Der Confed-Cup hatte sich gerade vom müde belächelten Pflichtturnier zu einer echten "Mini-WM" gemausert. Und die Organisation unter Beckenbauers Oberverantwortung hatte - abgesehen von ein paar unverschämt nackigen Aufs-Feld-Flitzern - nichts zu wünschen übrig gelassen. Obendrein hatte sich das vom Kaiser bevorzugte deutsche Team gut geschlagen und den dritten Platz belegt. Bundestrainer Jürgen Klinsmann fasste das gelungene Fußballfest gewohnt charmant zusammen: "Das war ein richtig guter Vorgeschmack auf das, was nächstes Jahr bei der Weltmeisterschaft abgehen wird." Wie hieß es allenthalben damals, als das Foto mit dem Sepp und dem Franz geschossen wurde, so schön: Der Confed-Cup war eben eine rundum gelungene Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Was war also los mit Beckenbauer, dem Chef des Weltmeisterschafts-Organisationskomitees, in der Fußballfachsprache nur "OK" genannt? War er müde nach zwei Wochen Confed-Cup? Hoffentlich nicht, denn dann müssen wir uns besorgt fragen, wie der Kaiser im Juli 2006 nach vier Wochen WM dreinschauen wird. Vielleicht quälten den früheren Weltmeister ja aber auch die vielen Gegentore, die das deutsche Team zugelassen hatte. Elf gegnerische Treffer in den Spielen gegen Australien, Argentinien, Mexiko und Brasilien. Nur beim 3:0-Sieg gegen Tunesien blieb die deutsche Mannschaft ohne Gegentor.

Am Ende hieß der Sieger, wie so oft, Brasilien. Die Südamerikaner spielen Fußball vom anderen Stern. Das Weltklasse-Finale gegen Argentinien (4:1) war nur ein weiterer Beweis dafür. "In Brasilien gibt es 22 Sportarten und eine Religion - Fußball", sagte Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira. Also waren die vom Offensiv-Fußball berauschten deutschen Fans höchst zufrieden und skandierten im letzten Spiel gegen Mexiko in Leipzig um exakt 19.52 Uhr zum ersten Mal seit seinem Antritt: "Jüüür-gen Klins-mann". Eine Genugtuung für den Trainer-Novizen, die er sich aber nicht anmerken ließ.

Seite 1:

Warum guckt der Franz so ernst?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%