Gaswolke
Explosion im Chemiepark Marl

Eine riesige Gaswolke stieg nach einer Explosion über den Chemieparl Marl auf. Mehrere Menschen wurden verletzt. Von dem Gas soll keine Gefahr ausgegangen sein hieß es. Fenster und Türen sollten aber geschlossen bleiben.
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RecklinghausenEine Explosion in einem Chemiepark hat am Samstag die Stadt Marl im nördlichen Ruhrgebiet erschüttert. Über Marl stand zeitweise eine 100 Meter hohe Rauchwolke. Zur Zahl der Vermissten und
Verletzten gab es unterschiedliche Angaben. Nach Angaben der Betreibergesellschaft wurde noch ein Mensch vermisst. Zwei der zuvor drei Vermissten seien zur Zeit des Unfalls zu Hause gewesen, sagte Klaus-Dieter Juszak, Manager beim Betreiber Infracor. Ihm zufolge wurde ein Mensch schwer verletzt. Außerdem habe sich ein Feuerwehrmann leichtere Verletzungen zugezogen.

Gegen 13.30 Uhr hörten Anwohner eine laute Explosion, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Feuerwehr hatte die Flammen rasch im Griff. Wie es zu dem Unfall kam, war auch Stunden später unklar. Juszak bestreitet die Explosion. Es habe nur einen Brand gegeben. 10 bis 15 Menschen hätten zum Unfallzeitpunkt an der Anlage gearbeitet.

Eine riesige dunkle Rauchwolke zog Richtung Süden - nach Polizeiangaben über die wichtige West-Ost-Verbindung A2 hinaus. Bis etwa 16 Uhr hatte sich die Rauchwolke laut Polizei aufgelöst. „Es hat zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung bestanden“, sagte ein Polizeisprecher. Auch der Betreiber Infracor gab Entwarnung. Messungen innerhalb und außerhalb des Parks hätten keine nachweisbaren Mengen gesundheitsschädlicher Stoffe ergeben, sagte ein Infracor-Sprecher. Dennoch riet er den Anwohnern, zunächst Fenster und Türen geschlossen zu halten. „Eine beängstigend schwarze Wolke war das“, schrieb ein Anwohner im Internetauftritt der „Marler Zeitung“.

Dem Infracor-Sprecher zufolge ereignete sich die Explosion in einer Anlage des Spezialchemiekonzerns Evonik. Es handele sich um eine Anlage zur Verarbeitung von CDT - einem Rohstoff, der zur Herstellung diverser Kunststoffe benötigt wird. Anscheinend ging ein Kessel hoch. Nach ersten Angaben waren fünf Löschzüge mit 100 Feuerwehrleuten im Einsatz.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) äußerte zum Abschluss eines SPD-Sonderparteitags in Düsseldorf ihr Mitgefühl für betroffene Angehörige: „Wir sind von hier aus in Gedanken bei den Familien, die da jetzt bangen.“

Der Chemiepark Marl ist nach Angaben der Betreibergesellschaft Infracor einer der größten Industriegebiete dieser Art in Deutschland. An dem Standort sind 10 000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Gelände erstreckt sich über eine Fläche von 6,5 Quadratkilometern - so groß wie eine Kleinstadt. Die dort ansässigen 30 Unternehmen produzieren in etwa 100 Anlagen. Der Standort verfügt laut Infracor über 55 Kilometer Straßen und mehr als 100 Kilometer Gleise. Den letzten größeren Zwischenfall hatte es - bis Samstag - im Jahr 2006 gegeben. Damals kam es zu einer Verpuffung in einem Gebäude zur Produktion von Kunststoff-Vorprodukten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • ich warte schon gespannt auf die Stimmen der GRÜNEN zu diesem tragischen Unglück. Wenn sie konsequent wären, würden sie auch den Ausstieg aus der Chemie verlangen. Wer weiß, ob Dtl. nicht eines Tages chemisch verseucht wird & kein Leben hier mehr möglich ist.... ;-)
    Also wird den Chemiekonzernen befohlen, alle Mitarbeiter rauszuschmeißen & das Land zu verlassen, so wie den Atomkonzernen??....

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