Glitzer-Nimbus dank Marketing
Der Turmbau zu Dubai

Am Persischen Golf vergeht derzeit kein Tag ohne Superlative. Burj Dubai, bald der höchste Turm der Welt, kratzt bereits heute mit seinen gut 600 Metern am Himmel. Im Herbst 2009 soll das Mega-Bauwerk mit der Form einer Wüstenblume schlüsselfertig sein.

DUBAI. Die endgültige Höhe wird noch geheim gehalten. Doch aus der staatlichen Entwicklungsgesellschaft Emaar ist durchgesickert, man rechne mit mehr als 800 Metern. Ein in Beton gegossenes Symbol von Luxus, Glamour und Status. Wer sich’s leisten kann, ist mit drei Millionen Dollar für eine Drei-Zimmer-Wohnung dabei. Freunde der Top-Nobel-Kategorie blättern gerne etwas mehr hin. Die von Modezar Giorgio Armani designten Apartments gingen für einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 30 774 Dollar weg wie warme Semmeln.

Das ölarme Emirat Dubai hat es durch eine geniale Marketing-Strategie geschafft, sich mit einem Stakkato aus „schneller, höher, weiter“ permanent im Gespräch zu halten. Seine Aushängeschilder sind der florierende Tourismus, der bislang exponential verlaufende Immobilien-Boom und das Renommee einer Finanz-Drehscheibe, die die Schwergewichte des internationalen Investment-Bankings anlockt. Und natürlich Emirates, die am rasantesten wachsende Fluglinie der Welt.

Das erregt den Neid der Nachbarstaaten, die das „schwarzen Gold“ massenweise aus dem Boden holen, aber eben nicht über den Glitzer-Nimbus verfügen. Die Kuwaitis wollen nun den Burj Dubai übertreffen und planen ein Gebäude mit einer Höhe von einem Kilometer. Saudi-Arabien, der schlafende Riese am Golf, denkt bereits an die nächste Stufe. Der weltgrößte Öl-Exporteur peilt in der Hafenstadt Dschidda sagenhafte 1 600 Meter an.

Doch Dubai wäre nicht Dubai, wenn es nicht bereits heute an einer Gegenstrategie basteln würde. Die Entwicklungsgesellschaft Nakheel tüftele an einer Hochhaus-Idee, die alles bisher am Reißbrett Entworfene in den Schatten stellen werde, berichten mehrere Medien in der Region. „Es wird ein ikonisches Bauwerk“, schwärmt Nakheel-Finanzchef Kar Tung Quek. Größe ist in Dubai nicht mehr genug, einen Heiligenschein müssen die Projekte haben.

Die Bau-Maschinerie dreht sich immer schneller. Am 28. August wird die Dubai Mall eingeweiht, selbstverständlich die größte Ein-kaufsmeile des Mittleren Ostens. Mit bis zu 30 Millionen Besuchern rech-nen die Planer im ersten Jahr. Doch damit nicht genug. Der italienische Architekt David Fisher will in Dubai den ersten „rotierenden Turm“ hoch-ziehen, dessen 68 Stockwerke sich mit jeweils unterschiedlicher Geschwindigkeit um die eigene Achse drehen. Fisher greift tief in die historische Schublade: „Das Konzept wurde in der Renaissance-Stadt Florenz geboren, nun wird es in Dubai, der Metropole der Zukunft, umgesetzt.“ Noch ein Superlativ.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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