Glücksfall Mali
Geld und Geschick bei Freilassung

Der Druck war enorm in den letzten Tagen und Stunden, und bis zuletzt blieb eine Spur Ungewissheit. Doch am späten Montagabend überwog in Berlin die Erleichterung darüber, dass das Geiseldrama in der Sahara offenbar ohne Blutvergießen und ohne weitere Opfer zu Ende gegangen ist.

HB/dpa BERLIN. Die Freude über die Befreiung der 14 Touristen war groß, und die Genugtuung. Denn nicht alles, was die Bundesregierung in diesen Monaten tat oder nicht tat, war von den Angehörigen der Sahara-Geiseln mit Beifall aufgenommen worden.

Vor allem der Staatssekretär im Außenministerium, Jürgen Chrobog, ist zufrieden. Die Befreiung war minutiös geplant. Er war dafür verantwortlich. „Das ist ein großartiger Tag für uns“, sagte er am Abend in Bamako, und damit war das Signal gegeben, dass sich auch Berlin freuen durfte. Noch waren die Geiseln nicht in deutscher Hand, aber alles sprach für ein glückliches Ende des Dramas. Zufrieden war man auch darüber, dass diesmal die interne Zusammenarbeit zwischen Bundesnachrichtendienst, Bundeskriminalamt, Kanzleramt und Außenministerium hervorragend geklappt habe. „Es gab überhaupt keine Reibungsverluste.“

Etwa sechs Monate waren die zuletzt noch 14 europäischen Geiseln in der Sahara in der Gewalt einer islamistischen Gruppe aus dem Umfeld der GSPC. Berlin lässt keinen Zweifel daran, dass diese Vereinigung als terroristisch eingestuft wird. „Man lässt die Leute entkommen, das ist in höchstem Maße unbefriedigend“, meint ein Diplomat. Alternativen gab es nicht.

Die GSPC ist weniger für religiösen Fanatismus als vor allem für Räuberei und Schmuggel bekannt. „Es geht nur ums Geld“, war schon vor Wochen zu hören. Einen Tag hieß es, es seien 64 Millionen Euro Lösegeld gefordert worden. Nach anderen Berichten waren es nur 4,6 Millionen. Darüber will in Berlin niemand sprechen, denn offiziell ist kein Geld gezahlt worden. Tatsächlich gibt es daran aber keinen Zweifel.

Dankbar ist Berlin der Regierung Malis, eines der ärmsten Länder der Erde. Rührend bemüht und enorm gastfreundlich seien alle gewesen. Am Ende war es ein Glücksfall, dass die Geiselnehmer mit ihren Gefangenen aus Algerien nach Mali auswichen. Denn mit der Regierung in Bamako war von Anfang an leichter zu reden. Zusätzliche Entwicklungshilfe dürfte der Dank sein.

Die offizielle Devise der Bundesregierung lautete immer: Mit Kidnappern wird nicht direkt verhandelt. Das haben die Entführer entgegen anders lautenden Medienberichten offensichtlich auch nie gefordert. Die Verhandlungen führte deshalb ein Team im Auftrag der malischen Regierung. An der Spitze stand der Provinz-Gouverneur und früherer Geheimdienstchef Baba Toure. „Das ist ein harter Bursche“, sagen deutsche Diplomaten in Bamako. Auch der angesehene Tuareg- Führer Iyad Ag Agaly, der vor Jahren den Aufstand der Tuareg gegen die malische Regierung anführte, wurde als Mittelsmann genannt.

Das monatelange Drama hat viele Nerven blank gelegt. Die Angehörigen forderten teils lautstark ein entschlosseneres Handeln der Behörden - am besten eine Militäraktion. „Zu viele Chancen verpasst, zu oft klein beigegeben“ hätten die Berliner Abgesandten, klagte etwa der Ex-Mann der in der Geiselhaft gestorbenen Michaela Spitzer. Doch Berlin ist überzeugt, dass es eine militärische Option nie gegeben hat. Jede Militäraktion hätte einen Überraschungseffekt gebraucht, denn konnte es aber nicht geben, den die Geiseln waren zeitweise über hunderte von Kilometern verstreut.

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