Grenfell Tower
Kühlschrank löste Feuerkatastrophe in London aus

Ein Kühlschrank hat den Brand des Grenfell Tower ausgelöst. Die Gebäudeverkleidung habe Sicherheitstests nicht bestanden, teilt die Londoner Polizei mit. Viele weitere britische Hochhäuser scheinen ebenfalls gefährdet.
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LondonEin defekter Kühlschrank hat nach Erkenntnissen der Ermittler die Londoner Feuerkatastrophe mit mindestens 79 Toten ausgelöst. Zudem hätten die Fassadenverkleidung und die Isolierung des Grenfell Towers die Sicherheitstests nach dem Unglück nicht bestanden, sagte Fiona McCormack von Scotland Yard am Freitag in der britischen Hauptstadt. Es sei keine Brandstiftung gewesen.

Die Ermittler erwägen demnach eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Man sehe sich alle Unternehmen an, die am Bau und an der Sanierung des Hochhauses beteiligt gewesen seien, hieß es weiter.

Die offizielle Prüfung der Brandursache bestätigte damit nun amtlich jene Vermutungen, die schon seit dem Brand in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche in den britischen Medien kursierten.

Berichten zufolge hatte die brennbare Gebäudeverkleidung erheblich zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen. Das Hochhaus war erst vor kurzem renoviert worden. Die Behörden untersuchen allgemeine Sicherheitsverstöße und Verstöße gegen den Brandschutz, berichtete die Polizei weiter. Die Ermittler hätten Unterlagen von mehreren Organisationen beschlagnahmt, sagte McCormack.

Der verheerende Brand zerstörte nach Angaben der Bezirksverwaltung von Kensington und Chelsea 151 Wohnungen: 129 davon in dem Hochhaus selbst, 22 weitere in der unmittelbaren Umgebung. Die Bewohner von 363 Haushalten seien in Hotels innerhalb des Stadtteils oder in der Nähe untergebracht worden. Mitarbeiter der Bezirksverwaltung kümmerten sich mit den betroffenen Familien um eine dauerhafte Unterbringung der Opfer. Dafür hat die Stadt Berichten zufolge bereits 68 neue Wohnungen in der Nähe des Grenfell Tower angekauft.

Unklar ist weiterhin, wie viele Menschen genau sich in dem Hochhaus aufgehalten hatten. Was man seit der Katastrophe an sterblichen Überresten gefunden habe, sei inzwischen aus dem Gebäude gebracht worden, sagte McCormack. Die Ermittler befürchten jedoch, dass weitere Menschen in dem Sozialbau gewesen sein könnten, über die nichts bekannt sei. Berichten zufolge könnten möglicherweise zahlreiche Bewohner illegal in dem Haus gelebt haben.

Das Innenministerium habe der Polizei versichert, das es nicht am Einwanderungsstatus der Bewohner interessiert sei, hieß es weiter. „Wir wollen nur sichergehen, dass wir wissen, wer vermisst wird“, sagte McCormack. Betroffene sollten sich bei der Polizei melden.

Überlebende gehen von einer wesentlich höheren Opferzahl aus als die Behörden. Viele Freunde und Nachbarn seien seit dem Brand verschwunden, Kinder nicht mehr in Schulen aufgetaucht.

Die forensischen Untersuchungen könnten sich der Polizei zufolge bis Ende des Jahres hinziehen. Auch das alte britische Kühlschrankmodell, das das Feuer ausgelöst hat, wird genau überprüft. Der Hersteller (Hotpoint) rief Verbraucher mit einem solchen Gerät und bestimmten Seriennummern auf, sich bei einer Notfallnummer zu melden.

Die Hochhaus-Untersuchungen ziehen unterdessen weite Kreise. Experten konnten bis zum Freitagabend an mindestens 14 weiteren Gebäuden eine leicht entflammbare Verkleidung nachweisen, darunter waren Hochhäuser in Manchester und Plymouth. Hunderte weitere Gebäude werden derzeit noch auf eine mögliche Feuergefahr hin untersucht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Spannende Erkenntnis aus dem Brand mit unzähligen Toten: Angela Merkel, die EU und die Grünen sind schuld. Ich seh das anders.

    Letzte Woche hatten wir einen Brand in einem Kellerraum eines älteren Wohnhauses. Mehrere Kühlschränke und Gefriertruhen und vermutlich ebenso ein Kurzschluss oder ein durchgebrannter Motor. Das klärt sich ja immer erst nach Wochen.

    Der Brand hat aus dem Keller über die Fassade auf den Dachstuhl übergegriffen, obwohl da gar keine Dämmung war. Älteres Haus, teilweise Holzbau, da habe ich gar keine Chance.

    Spekulativ hätte eine Fassadendämmung eine Ausbreitung sogar verhindert durch geringere Frischluftzufuhr und spätere Entflammbarkeit der äußeren Elemente.

  • Herr F. K.23.06.2017, 13:29 Uhr

    Nicht ganz, Herr F.K.
    Die von den Aussendämmungen ausgehende Brandgefahr ist lange bekannt, wird jedoch konsequent ignoriert. Könnte ja dem Klimaschutz schaden.

    Auch in Deutschland gibt es Fälle:

    http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Waermedaemmung-Ignoranz-der-Brandgefahr,waermedaemmung205.html

    Brandbeschleunigung und das Entstehen giftiger Rauchgase als Stichworte...

  • Herr Holger Narrog das Thema ist zu ernst für Ihre wirren Thesen.
    Bei der Hitze sollte alte Leute wie Sie nicht vor dem PC sitzen.

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