Griechisch-orthodoxe Kirche
Von der Pharma-Führungskraft zum Priester

Als 61-Jähriger hat Christian Anagnostopoulos eine zweite Karriere begonnen. Nach 35 Jahren in Deutschland und Stationen beim Pharmakonzern Hoechst und in einem Wiesbadener Krankenhaus ist der promovierte Naturwissenschaftler in seine Geburtsstadt Istanbul zurückgekehrt - als Priester und Sprecher des Patriarchen der griechisch-orthodoxen Kirche.

ISTANBUL. Pater Dositheos alias Dositheos Anagnostopoulos spricht auf Griechisch in der mit viel Gold verzierten Mariä-Verkündigungskirche in Istanbul, in der prächtige Kronleuchter hängen. Die Luft ist weihrauchgeschwängert, im Gotteshaus verliert sich die Gemeinde an diesem Sonntagvormittag fast. Außer dem Priester und dem Kantor ist ein gutes Dutzend Menschen gekommen, darunter viele Ältere. Pater Dositheos mit dem grauen Haarkranz, dem weißen Vollbart und den sympathischen braunen Augen trägt ein festliches Gewand.

Weshalb er dort steht? Gerade frisch im Ruhestand fragte der schon zuvor im Arbeitskreis christlicher Kirchen (ACK) aktive Anagnostopoulos den Patriarchen, ob dieser etwas für ihn zu tun habe. Der suchte tatsächlich jemanden für die Pressearbeit und die deutsche Korrespondenz. Vier Tage die Woche arbeitete er für seinen neuen Chef, die übrige Zeit lernte er bei einem Pastor und wurde so zum Pater Dositheos.

Drei Viertel seiner Zeit verbringt Anagnostopoulos dennoch in Deutschland, dessen Staatsbürger er ist. Auch seine Kinder leben dort. Außer Griechisch, Türkisch und Französisch spricht er perfekt Deutsch. "Ich liebe dieses Land." Im Februar 1968 ist er im Anschluss an sein naturwissenschaftliches Studium dort hingekommen. Er widmete sich erst in Mainz seiner pharmakologischen Doktorarbeit und wechselte dann nach Darmstadt, wo er promoviert wurde. Bis 1998 arbeitete er in einer Führungsposition bei Hoechst, anschließend war er in der Geriatrie einer Klinik in Wiesbaden aktiv. 2003 ging er in Rente - und begann im Sommer des Jahres seine zweite Karriere in Istanbul.

Sie ist dadurch möglich geworden, dass es in der Türkei heute nur noch verschwindend wenig Griechisch-Orthodoxe gibt, nämlich 3 000. Trotz der Schwierigkeiten, denen die Minderheiten dort ausgesetzt sind, sagt Pater Dositheos: "Dieses Volk ist ein frommes Volk, das anders Glaubende respektiert. Mit den Menschen dieses Landes zu leben, ist unproblematisch. Es gibt kleine Querelen, aber keine großen Schwierigkeiten."

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