Großrazzien
150 Haftbefehle gegen Italiens Mafiosi

Die italienische Polizei hat Mafia-Gut im Wert von 70 Millionen Euro beschlagnahmt. Bei mehrere Großrazzien rückten die Beamten der Verbrecherorganisation mit 150 Haftbefehlen zu Leibe.
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TurinEs war immer so schön gruselig und dabei beruhigend, sich die Paten der Mafia im rückständigen Mezzogiorno Italiens vorzustellen. Tief im Süden, das zeigten Mafia-Filme am laufenden Band, betrieben sie also ihr Unwesen, ganz weit weg von uns anderen. Doch das Klischee, das einst auf die Camorra in Neapel oder die sizilianische Cosa Nostra zugetroffen hat, gehört schon lange der Vergangenheit an: Die streng organisierte Kriminalität hat mehr noch als anderswo im reichen italienischen Norden neue Wurzeln geschlagen. Und die kalabrische „Ndrangheta ist nicht zuletzt auch in Deutschland am Werk. Ihre Geschäfte wickelt sie am liebsten ohne Schlagzeilen ab.

Riesige Razzien mit 300 Festnahmen im mafiösen Sumpf der Lombardei und in Kalabrien verblüfften insofern im Juli vergangenen Jahres noch viele im Stiefelstaat - obwohl sie doch tagtäglich von Machenschaften der Camorra und der Cosa Nostra lesen müssen. Elf Monate später jetzt Großrazzien vor allem im Norden mit Schwerpunkt in Turin: Am Mittwoch rückten die Mafia-Jäger mit nicht weniger als 150 Haftbefehlen an.

Inzwischen kann keiner mehr die Augen verschließen. TV-Sendungen und Bücher, etwa von dem bekannten Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano oder von Federico Varese, klären darüber auf, wie stark die „Krake“ Mafia mittlerweile ihre gierigen Tentakel über den Norden gelegt hat. „Mafie in movimento“ (Mafia-Clans in Bewegung) betitelt Varese sein Buch darüber, wie diese Gangster den Norden „kolonialisiert“ haben.

Aber die Justiz und die Staatsgewalt schlagen zurück, verkünden wöchentlich erfolgreiche Schläge gegen die Mafia, auch wenn dieser die Fangarme immer wieder nachzuwachsen scheinen. So begann bereits im Mai in der lombardischen Wirtschaftsmetropole Mailand der Prozess gegen 39 mutmaßliche „Ndrangheta-Mitglieder - also nur zehn Monate nach dem großen Coup der Sondereinheiten. Ein zweiter Prozess geht an diesem Donnerstag gegen 119 der Verhafteten los. Die Anklage kann jeder Zeitungsleser in Italien herunterleiern: Von der Bildung einer kriminellen Vereinigung über den Waffen- und Drogenhandel bis hin zu Wucher, Betrug und Erpressung. Gelegentlich kommen noch Morde hinzu.

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