Großzügig, hell und transparent
Zwischen Himmel und Hofbräuhaus

Der neue, gläserne Terminal am Münchener Flughafen ist nicht annähernd so spektakulär wie die Paläste in Hongkong oder Kuala Lumpur. Die Vielflieger werden ihn dennoch mögen.

Das neue Tor zur Welt öffnet sich ein paar Schritte hinter der Flughafenkneipe Airbräu in Terminal 1. Von dort aus kann der Passagier seit fünf Tagen in die supermobile Zukunft wandern, die in München schlicht Terminal 2 genannt wird. Die alte, dunkel-drückende Abfertigungshalle, die einem so kurz vor der Flugangst auch noch die Klaustrophobie einjagt, weicht beim Übergang einer üppigen Portion Licht: Der Blick des Reisenden wandert nach oben, wo sich hinter dem Zeltdach des Airport-Centers der neue, luftige Glaspalast in Form eines riesigen Würfels erhebt.

Nicht annähernd so spektakulär zwar wie die Flughafenpaläste in Hongkong oder Kuala Lumpur, aber doch großzügig, hell, transparent. Ein moderner Zweckbau, mit dem die Lufthansa als Investor und Mitbetreiber vor allem eines erreichen will: der Kundschaft das Fliegen wieder bequemer, einfacher und schneller zu machen in einer Zeit, in der hochpenible Sicherheitschecks so wichtig geworden sind wie nervig. Im Unterschied zu Terminal 1 mit seinen fünf Abflug- und Ankunftsbereichen findet der Passagier im neuen Glasbau alles in einer zentralen Halle: drei Ebenen, 24 Ticketschalter, 110 Check-in-Schalter, 26 Sicherheitsschleusen – möglichst ohne Umwege sollen die Passagiere ins Flugzeug gelotst werden.

Mit Terminal 2 verdoppelt der Airport nicht nur seine maximale Passagierkapazität auf jährlich 50 Millionen Fluggäste. Auch in puncto Schnelligkeit will München mit einer Umsteigezeit von nur noch 30 Minuten zur Weltspitze aufschließen. Für mehr Speed sorgt vor allem eine neue Gepäckförderanlage, die pro Stunde 14 000 Koffer mit rund 25 Kilometer pro Stunde über die Bänder jagt. Und obwohl die Wege zu den 24 Passagierbrücken schon mal länger werden können, verspricht Münchens Flughafenchef Michael Kerkloh: „Wir werden das schnellste Umsteigeterminal Europas.“

Auch wenn in der ersten Betriebswoche hier und da noch geschraubt, gebohrt und gehämmert wird: Luftfahrtexperten halten das gemeinsame Projekt von Münchener Flughafen und Lufthansa für gelungen. „Es ist ein intelligenter Ansatz, den Abfertigungsprozess stärker auf die Wünsche der Fluglinien abzustimmen. Die Handschrift der Lufthansa ist deutlich erkennbar“, sagt Martin Köhler von Boston Consulting.

Um sich beim Service stärker von Billigfliegern wie Ryanair abheben zu können, hat sich die größte deutsche Fluglinie vor allem für ihre Top-Kundschaft ins Zeug gelegt: First- und Business-Class-Passagiere dürfen – vorbei an den Schlangen der Economy – getrennt einchecken, die Business- und Senator- Lounges bieten Duschen, Drinks und drahtlosen Zugang ins Internet.

Sogar der Modebegriff Wellness feiert Einzug in die neue Münchener Luftfahrtwelt: Die im Asia Spa angebotenen Kopf- und Nackenmassagen seien vor allem denen ans Herz gelegt, die im alten Terminal 1 landen und dann auf Lufthansa umsteigen. Der Marsch durch die beiden Münchener Luftfahrtwelten ist dann kaum weniger anstrengend als ein Tempolauf durch den Schilderwald des Frankfurt-Airports. Terminal der kurzen Wege? Diese Werbebotschaft gilt allein für Gäste, die im Allianzverbund der Lufthansa unterwegs sind und so stets von Terminal 2 aus starten. Der Gepäck schleppende Rest hat zur Abkühlung neuerdings immerhin Alternativen zum Airbräu: die Erdinger Sportsbar oder das Hofbräuhaus auf Ebene 5.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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