Grubenunglück in Chile
Schon ein Drittel aller Kumpel in Sicherheit

Freudentaumel im Andenstaat Chile: Mehr als zwei Monate nach dem Grubenunglück in der Mine San José ist die Rettungsaktion für die Verschütteten perfekt angelaufen. Im Stundentakt werden die Kumpel befreit und an der Oberfläche wie Stars empfangen. Die in der Tiefe verbliebenen Bergleute müssen sich allerdings in Geduld üben.
  • 2



HB COPIAGO. Sein Platz auf der Rettungsliste war kein schlechtes Vorzeichen: Als Kumpel Nummer 13 hat auch Carlos Barrios Contreras am Mittwoch um 10.54 Uhr Ortszeit (15.54 Uhr MESZ) sicher die Erdoberfläche an der Unglücksmine in Chile erreicht. Der knapp 30-Jährige war einer der Schichtleiter in dem Gold- und Kupferbergwerk. Nun sind noch 20 Bergleute und ihre Helfer in dem verschütteten Schacht.

Damit sind mehr als ein Drittel der seit zwei Monaten verschütteten Bergleute in Chile gerettet. Etwa zehn Stunden nach Beginn der beispiellosen Bergungsaktion wurde am Mittwoch der elfte Bergmann ans Tageslicht geholt. Der 55-jährige Jorge Galleguillos wirkte etwas wackeliger auf den Beinen als seine Kameraden zuvor; er gehört zu der Gruppe der Männer mit gesundheitlichen Problemen. Begrüßt mit Applaus und Freudenrufen, umarmte er Angehörige und Helfer, bevor auch er auf einer Trage zur medizinischen Untersuchung gebracht wurde.

Und die Bergung der verschütteten Bergleute ging reibungslos weiter. Als zwölfter Mann wurde am Mittwoch Edison Pena ans Tageslicht geholt. Wie seine Kameraden wurde auch er beim Verlassen der Rettungskapsel mit Jubel, Applaus und „Chi, Chi, Chi - Le, Le, Le“-Rufen begrüßt.

Rund neun Stunden nach dem ersten Bergarbeiter ist am Mittwochmorgen (Ortszeit) war zuvor der zehnte der 33 in Chile Verschütteten gerettet worden. Alex Vega, rund 30 Jahre alt, ist seit neun Jahren Bergmann. Etwa 30 Angehörige warteten im Lager Esperanza auf seine Rückkehr. Vega erreichte am Mittwoch um 8.52 Uhr Ortszeit (13.52 Uhr MESZ) die Oberfläche. Damit warten jetzt noch 23 Männer in der Tiefe auf ihre Rettung.

Eine Stunde zuvor wurde in dem rund 60-jährigen Mario Gómez der Älteste der Gruppe geborgen. Seit seinem 12. Lebensjahr arbeitet Gómez im Bergbau. Er erreichte am Mittwoch um 7.59 Uhr Ortszeit (12.59 Uhr MESZ) die Oberfläche.

Der „Kapitän“ verlässt derweil als Letzter das sinkende Schiff - während die Kollegen einer nach dem anderen aus dem unterirdischen Gefängnis befreit werden, wird Schichtleiter Luis Urzúa Iribarren erst ganz zum Schluss in die Rettungskapsel steigen, hieß es am Mittwochmittag.

Urzúa ist 54 Jahre alt und seit mehr als 30 Jahren Bergmann. Er zeichnete die Orientierungskarten für die Schächte, in denen die Männer in der Gold- und Kupfermine arbeiteten. In der Tiefe trug er entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe bei. Unklar war zunächst noch, ob die Helfer, die zu Beginn der Rettungsaktion in den Schacht einfuhren, nach den Geretteten an die Erdoberfläche fahren werden - oder ob tatsächlich Urzúa der Letzte unten im Schacht ist.

Beim achten Geretteten steht unterdessen eine Hochzeit an: Claudio Yáñez hatte seiner Freundin versprochen, sie nach der Bergung zur Frau zu nehmen. Der Mittdreißiger hatte erst seit rund acht Monaten in der Mine gearbeitet. Er erreichte am Mittwoch im Morgengrauen um 7.02 Uhr Ortszeit (12.02 Uhr MESZ) die Oberfläche.

Als siebter war der Mittvierziger José Ojeda am Mittwoch um 6.21 Uhr Ortszeit (11.21 Uhr MESZ) gerettet worden. Der Diabetiker hatte die erste Überlebensbotschaft aus der Tiefe geschrieben.

Zuvor kam Osman Araya um 5.34 Uhr Ortszeit (10.34 Uhr MESZ) oben an. Araya hatte erst seit vier Monaten in der Mine gearbeitet, als das Unglück geschah. Er war während der mehr als zwei Monate in der Tiefe zusammengebrochen. oben an. Er weinte und drückte seine Frau lange und fest. Bevor die Kapsel für Osman Araya hinabgelassen wurde, hatten Helfer mehrere Bauteile ausgetauscht und überprüft.

Seite 1:

Schon ein Drittel aller Kumpel in Sicherheit

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Grubenunglück in Chile: Schon ein Drittel aller Kumpel in Sicherheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herzlichen Glückwunsch an alle die dieses "Wunder" möglich gemacht haben und an die Kumpel in Chile. Es ist einfach großartig ....

  • Guten Tag;.... Meine Hochachtung vor Retter und Geretteten. Wer je in Suedamerikanischen oder Suedafrikanischen bergwerken war, ..... der weiss wie schwer diese Leute ihr Geld verdienen muessen. Dies ist eine wahrhaft gute Nachricht. besten Dank

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%