Harman Kardon
Hifi-Pionier Sidney Harman gestorben

Die Marke Harman Kardon ist weltweit ein Synonym für perfekten Klang. Der Urvater des Hifi-Sounds, Sidney Harman, verstarb nun mit 92 Jahren in New York. Der Audio-Pionier galt bis zuletzt als äußerst umtriebig.
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New YorkOhne ihn würde die Welt schlechter klingen: Sidney Harman baute zusammen mit seinem Kompagnon Bernard Kardon in den 1950er Jahren die ersten Stereoanlagen, die das Qualitätssiegel Hifi verdienten. Zum ersten Mal erklang Musik im heimischen Wohnzimmer in einer Qualität, die sonst nur aus großen Aufnahmestudios bekannt war. Im Alter von 92 Jahren ist Sidney Harman gestorben.

Harman erlag in der Nacht zum Mittwoch einem Leukämieleiden, wie seine Familie mitteilte. Erst vor einem Monat habe er von seiner Krankheit erfahren, heißt es in der kurzen Mitteilung, die die Internet-Publikation „The Daily Beast“ veröffentlichte. Hinter der bekannten US-Website steckte niemand geringeres als Sidney Harman selbst. Es war sein letztes großes Abenteuer.

Mit Journalismus hatte Harman dabei eigentlich nicht wirklich was am Hut. Seine Lorbeeren hatte er sich in der Hifi-Welt verdient. Er gründete 1953 mit seinem Geschäftspartner und Freund Bernard Kardon das Unternehmen Harman Kardon. Mit einem Startkapital von 10.000 Dollar entwickelten die beiden Männer Musikanlagen, die das Radiohören zum Genuss machten. Das erste Modell „Festival D-1000“ wurde legendär.

„Seine Stereoanlage war ein Megahit - das iPad jener Tage“, schwärmt „The Daily Beast“-Kolumnist Jonathan Alter in seinem Nachruf. „Rauschen wurde eine Sache der Vergangenheit.“ Zum heutigen Konzern Harman International gehören weitere bekannte Audiomarken wie JBL oder AKG. Auch den deutschen Autoradiospezialisten Becker hatte sich Harman zwischenzeitlich einverleibt.

Im Laufe der Zeit hatte Sidney Harman das Unternehmen mehrfach verkauft und anschließend wieder zurückgekauft. So Ende der 1970er Jahre, als er dem Ruf des frisch gewählten US-Präsidenten Jimmy Carter folgte und stellvertretender Handelsminister wurde. Zuletzt hielt Harman nur noch einen kleinen Anteil an der Firma. Der Konzern ist längst an der Börse notiert.

2008 gab Sidney Harman seinen Posten als Verwaltungsratschef auf - da war er 89 Jahre alt. Im vergangenen Jahr kaufte er dann überraschend das schwer angeschlagene Traditionsmagazin „Newsweek“ und fusionierte es anschließend mit der aufstrebenden Internet-Publikation „The Daily Beast“.

Harman mischte sich dabei auch ins Tagesgeschäft ein. „Er hat mir erst letzte Woche erzählt, dass das Magazin auf dem Weg war, Gewinn zu machen“, schrieb Kolumnist Alter. Sein Tod sei ein Schock für alle gewesen. US-Medienbeobachter fragen sich jetzt schon, ob die Erben genauso viel Geduld mit dem verlustreichen Blatt haben werden wie Harman.

Harman galt als fit und liebte das gute Leben, wie das US-Magazin „Forbes“ vor einiger Zeit mit einem Augenzwinkern feststellte. Er habe schicke Anwesen in Los Angeles und Washington gehabt, sei mit seinem Jet herumgeflogen, habe für den guten Zweck gespendet und sich in die Politik eingemischt. „Er war 92 und erwartete, über 100 zu werden“, schrieb Kolumnist Alter. „Wir alle glaubten ihm.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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