Heiratsvermittlung in Israel
Partnersuche ohne Berühren

Wie findet man den Partner fürs Leben? Für viele strengreligiöse Juden ist der Weg zur Ehe klar geregelt: Sie suchen sich Heiratsvermittler und setzen auf einen Charakter-Check bei beiden Ehekandidaten.
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JerusalemNechama Switzer hat ein Buch der Hoffnung vor sich liegen. Es ist ein Notizheft. Seitenweise reihen sich darin Namen aneinander. Namen von Männern, von möglichen Ehemännern. „Auch wenn ich wie eine Serien-Daterin wirke, jeder bedeutet Hoffnung“, sagt Nechama Switzer – 30 Jahre, schlank, langes gelocktes Haar. An ihren Ohrläppchen baumeln Davidsterne. Jeder der rund 120 Männer, die sie getroffen hat, hätte der zukünftige Vater ihrer Kinder sein können.

Doch ihr Buch der Hoffnung ist auch ein Buch der Enttäuschung. Hinter jedem Namen stehen das Alter, wer den Mann empfohlen hatte – und warum er nicht ihr Ehemann wurde. „Ich habe alles aufgeschrieben“, sagt Switzer in einem Dachzimmer eines Hostels in der Altstadt von Jerusalem, wo sie wohnt und arbeitet. „Er roch schlecht.“ Oder: „Ich mochte ihn, aber er hat „Nein“ gesagt.“ Switzer muss den Überblick behalten, falls ein Name irgendwann wieder auftaucht.

Die Frau stammt aus einer Welt, in der Jungen und Mädchen weitgehend getrennt aufwachsen: Switzer ist strengreligiöse Jüdin. In dieser Welt gibt es Schulen für Mädchen und andere Schulen für Jungen. Switzer verabredet sich nicht selbst mit Männern. Sie hat keine männlichen Freunde, sie geht nicht in die Disco.

Doch wie kommt man in dieser Welt in Kontakt mit Männern, wenn Online-Plattformen wie Tinder und Parship keine Option sind? Wie findet man einen Partner fürs Leben, um eine Familie zu gründen?

Man fragt eine Schadchanit – eine professionelle Heiratsvermittlerin. „Ich habe mindestens 20 Heiratsvermittler getroffen“, sagt Switzer. „Rund zehn davon in Jerusalem.“ Aktuell lässt sie sich von Chaja Weisberg helfen, Leiterin des Hostels, in dem jüdische Frauen auf Reisen günstig Schlafplätze mieten können. Weisberg ist verheiratet, mit dem siebten Kind schwanger – und überzeugte Heiratsvermittlerin.

Weisberg stammt aus dem US-Bundesstaat New Jersey und kam mit 18 Jahren nach Jerusalem, um das Judentum zu studieren. Sie hat einen Master in Psychologie und Familientherapie. Als strengreligiöse Jüdin zeigt sie wenig Haut. Verheiratete Frauen verstecken ihr Haar unter einer Perücke oder einem Kopftuch, weil Haare als aufreizend gelten.

Die 34-Jährige kam durch ihr Hostel zu der Matchmaker-Tätigkeit, so der englische Begriff. „Ich habe so viele junge Frauen getroffen, die sich für einen traditionelleren, jüdischen Lebensstil entschieden hatten“, sagt sie. Sie habe helfen wollen. „Es ist hart, ein älterer Single zu sein“, berichtet sie über die tiefreligiöse Gemeinschaft, wo Menschen normalerweise mit Mitte 20 verheiratet sind und Kinder haben. „Es gibt grundsätzlich keine Beziehungen außerhalb der Ehe.“

Kurz nach ihrer Hochzeit vor fast 14 Jahren hätten sie und ihr Mann angefangen, Männer und Frauen zu vermitteln, erzählt Weisberg. Aktuell hat Weisberg jeweils 50 bis 60 Männer und Frauen aufgelistet.

Strengreligiöse Juden fangen meist im Alter von etwa 18 Jahren mit der Suche nach einem Partner an. Weisberg setzt sich mit jedem Kandidaten und jeder Kandidatin eine Stunde zusammen. „Als erstes frage ich: Welche Eigenschaften bewunderst du bei anderen Menschen? Was respektierst du?“, erzählt sie. Diese Punkte würden für sie auch die Basis für eine lang anhaltende Beziehung bilden.

Wenn sie mit den Menschen spreche, schaue sie: „Sind sie lebhaft, sind sie entspannt, sind sie kreativ?“ Sie versucht, die Charaktere der Kandidaten zu verstehen. Menschen, die zu Extremen neigten, bräuchten ein Gegenstück, ist die Vermittlerin überzeugt. Eine kontaktfreudige Person könne durch einen ruhigeren Partner ergänzt werden. Ausgeglichene Menschen bräuchten ausgeglichene Partner.

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