Heute stehen Gespräche mit Spitzenpolitikern auf dem Programm
Der Papst lädt zur Audienz

Papst Benedikt XVI. ist zu Gesprächen mit Spitzenpolitikern in Köln zusammengekommen.

HB KÖLN. Im Erzbischöflichen Haus empfing er Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Anschließend spricht er mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der CDU- Bundesvorsitzenden Angela Merkel sowie dem nordrhein-westfälischen Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU). Das Oberhaupt der katholischen Kirche war bereits am Freitag mit Bundespräsident Horst Köhler in Bonn zusammengetroffen.

Am Abend steht ein Gebet mit mehreren hunderttausend Weltjugendtags-Pilgern auf dem Marienfeld westlich von Köln auf dem Programm. Es gilt als Generalprobe für den Gottesdienst am Sonntag, zu dem 800 000 Gläubige erwartet werden. Am Freitag hatte der Papst bei einem Besuch in der Kölner Synagoge und einem Treffen mit Protestanten die Hand über die Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg ausgestreckt.

Protestanten: Signale, aber keine Fortschritte in Ökumene

Der Papst traf am Freitag auch führende Protestanten. Nach dem ökumenischen Gespräch mit Benedikt XVI. sah die evangelische Kirche hoffnungsvolle Signale für Fortschritte bei der Annäherung der Konfessionen. Der Papst hatte bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen seinen Willen zur Einheit aller Christen betont. Laut Redemanuskript sagte er zwar: „Diese Einheit besteht nach unserer Überzeugung unverlierbar in der katholischen Kirche.“ Bischof Wolfgang Huber, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte jedoch, der Papst habe keinen Zweifel daran gelassen, dass die zukünftige Gemeinschaft der Christen „eine Einheit in der Vielfalt“ sein werde. Eine Rückkehr zur katholischen Kirche werde vom Papst nicht als Ökumeneziel verlangt.

Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, hat bedauert, dass es unter dem Papst Benedikt XVI. bisher keine Fortschritte in der Ökumene gegeben habe. Auf NDR Info sagte sie unter anderem: „Wenn wir das Mahl der Einheit nicht gemeinsam feiern können, wie wollen wir als Kirchen die Menschen in der ganzen Welt zu mehr Gemeinschaft und Einheit rufen?“ Zum Auftritt des Papstes auf dem Weltjugendtag in Köln sagte Käßmann: „Es bleibt bei mir ein gewisses Unbehagen, wenn der Glaube sich so stark auf eine Einzelfigur fixiert.“ Nach evangelischer Auffassung müsse jeder selbst für seinen Glauben einstehen und Vorbild sein. Dennoch freue sie sich über die Bilder aus Köln: „Es tut gut zu sehen, dass sich junge Menschen zur christlichen Kirche bekennen.“

Jüdische Repräsentanten loben Papst-Rede

Bei seinem historischen Besuch in der Kölner Synagoge beschwor Benedikt XVI. das gemeinsame Erbe von Juden und Christen. Er rief zum gemeinsamen Kampf für Gerechtigkeit und Frieden in der ganzen Welt auf und geißelte den Nationalsozialismus. Auf die Mitschuld von Christen oder der katholischen Kirche am Antisemitismus ging er aber nicht ein - anders als es sein Vorgänger Johannes Paul II. in seinem Aufsehen erregenden Schuldbekenntnis „Mea Culpa“ und bei seinem Israel-Besuch im Jahr 2000 getan hatte.

Jüdische Repräsentanten lobten die Papst-Rede, nach der sich die Zuhörer von den Sitzen erhoben und applaudiert hatten. „Die Geste des Besuchs und die Rede wirkt hoffnungsvoll in die Zukunft“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel. Benedikt XVI. war das erste katholische Kirchenoberhaupt, das eine Synagoge in Deutschland besuchte. 1986 hatte Johannes Paul II. als erster Papst in 2000 Jahren Christentum in Rom ein jüdisches Gotteshaus aufgesucht.

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