„Ice Bucket Challenge“
Die Angst der Deutschen vor dem Eiswasser

Während sich US-Konzernchefs für den guten Zweck das Eiswasser literweise über den Kopf schütten, tun sich die deutschen Entscheider schwer mit klamaukigen Aktionen für den guten Zweck. Doch es gibt auch Ausnahmen.
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DüsseldorfDie Liste der Verweigerer wächst. In Deutschland will sich kaum ein Konzernchef oder Politiker den Eimer Eiswasser über den Kopf kippen. Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat auf die Aufforderung, an der „Ice Bucket Challenge“ (zu deutsch: Eiseimer-Herausforderung) teilzunehmen, bislang nicht reagiert. Daimler-Chef Dieter Zetsche und VW-Boss Martin Winterkorn ebenfalls nicht.

Vize-Kanzler Sigmar Gabriel umschiffte den Eiswasserkübel, indem er versprach, sich einmal ohne Kameras im heimischen Garten zu übergießen und parallel zu spenden und Kanzlerin Angela ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert via Twitter mitteilen, über private Spenden der Kanzlerin werde grundsätzlich Stillschweigen gewahrt.

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart akzeptierte die Herausforderung zwar, seine Nominierten, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und FAZ-Mitherausgeber Günther Nonnenmacher rührten sich bislang aber nicht. Auch der von Steingart nominierte Deutsche Bank-Co-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain hat sich laut Konzernsprecherin noch nicht entschieden.

Dabei steht die kalte Dusche für einen guten Zweck: Ein Herausgeforderter leert einen Eimer mit Eiswasser über sich und darf dann weitere Menschen nominieren, die binnen einen Tages dasselbe tun müssen. Wer sich weigert, soll 100 Dollar – oder wenn er mag, auch mehr – an die ALS-Stiftung spenden und so auf die seltene unheilbare Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam machen und um Spenden werben.

Doch sie tun sich schwer mit dem Eiswasserkübel, die deutschen Entscheider. An der klamaukig wirkenden Dusche teilzunehmen, schafft Bilder für die Ewigkeit. Daher verwundert es kaum, dass sich etwa Bahnchef Rüdiger Grube sowie BER-Chef Hartmut Mehdorn bislang nicht als begossene Pudel zeigten, obwohl sie längst nominiert sind. Die Eiswasserdusche ist den deutschen Entscheidern zu heiß.

Ihre Kollegen in den USA haben diese Ängste nicht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Apple-Chef Tim Cook und Microsoft-Chef Bill Gates machten schon ganz zu Anfang mit und sprangen nicht erst auf den Trend aufsprangen als der schon an Fahrt aufgenommen hatte. So verwunderlich ist das nicht, ist virale Werbung doch Teil des eigenen Geschäfts.

Beachtlich wurde die Teilnehmerliste in den USA, als immer mehr Konzernchefs mitmachen, deren Hauptaugenmerk nicht originär auf dem Geschäft im Netz liegt. So ließ sich etwa GM-Chefin Mary Barra vor ihren Mitarbeitern zwei Eimer Wasser über den Kopf kippen. Und bei den Politikern machte US-Gouverneur Chris Christie ebenso mit wie der ehemals mächtigste Mann der Welt, Ex-US-Präsident George W. Bush. In Deutschland sucht man die Entscheider jenseits der Medien- und Internetbranche vergeblich.

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