In Einzelfällen erlaubt
Papst weicht Kondom-Verbot auf

Papst Benedikt XVI. hat die Benutzung von Kondomen zur Verhinderung von Aids in Einzelfällen erlaubt. Damit leitet er einen grundlegenden Meinungswechsel zu deren Gebrauch bei der Immunschwächekrankheit ein.
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HB VATIKAN-STADT. Die katholische Kirche sehe Kondome nicht als wirkliche und moralische Lösung an, heißt es in einem neuen Buch des Papstes, das Reuters am Wochenende vorlag. „Im einen oder anderen Fall kann es in der Absicht, Ansteckungsgefahr zu verringern, jedoch ein erster Schritt sein auf dem Weg hin zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität“, sagte Benedikt im Gespräch mit dem deutschen Journalisten Peter Seewald, auf dem das Buch „Licht der Welt“ basiert.

Benedikt machte aber klar, dass das Thema Geburtenkontrolle außen vor bleibt. Zwar haben führende katholische Geistliche bereits von der Nutzung von Kondomen zur Verhinderung von HIV und Aids gesprochen. Jedoch hat sich noch nie ein Papst derart öffentlich geäußert. 2009 war Benedikt heftig in die Kritik geraten, als er auf einer Afrika-Reise sagte, das Problem Aids könne nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. „Im Gegenteil, dies verstärkt nur das Problem.“

Hilfsgruppen und liberale Katholiken werteten die jüngsten Äußerungen als Durchbruch im Kampf gegen die Krankheit. „Es ist ein wunderbarer Sieg für gesunden Menschenverstand und Vernunft“, erklärte die liberale US-Organisation „Catholics for Choice“. Der Papst stelle sich endlich der Realität, urteilte die Aids-Hilfsgruppe Act Up Paris.

Als Beispiel für die Verwendung von Kondomen nannte der Papst Prostituierte. Während im deutschen Original und in der französischen und englischen Version auf Männer Bezug genommen wird, ist in einem in der Vatikanzeitung veröffentlichen Ausschnitt von weiblichen Prostituierten die Rede. Dem Leiter der Gruppe Christen und Aids in Frankreich, Gerard Guerin, gehen die Äußerungen des Papstes nicht weit genug. „Sie beziehen sich nur auf männliche Prostituierte. Was sollen denn Paare, bei denen ein Partner infiziert ist, tun?“ sagte er in der Zeitung „Le Parisien“.

Benedikt erklärte, die bloße Fixierung auf das Kondom bedeute eine Banalisierung der Sexualität. „Und die ist ja gerade die gefährliche Quelle dafür, dass so viele Menschen in der Sexualität nicht mehr den Ausdruck ihrer Liebe finden, sondern nur noch eine Art von Droge, die sie sich selbst verabreichen.“

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  • Der Past weicht sein Verbot auf. Scheinbar nicht das Einzige das sich die letzten Jahrzente aufweicht. Und wie kommt ein Herr Papst eigentlich auf die idee seine Meinung zu dem Thema könnte irgendjemanden interessieren. Wie kommt er darauf er hätte das Recht über Gut und Schlecht urteilen zu können. Die Meinung eines Kirchenvertreters ist in der heutigen Zeit wohl eher unangebracht. Vor allen Dingen wenn es sich um zwischenmenschliche beziehungen handelt. Aber alles klar. Er hatte wohl wieder mal ein meeting mit seinem Cappo Herrn Gott.
    Alter Verwalter. Ein irrwitzig wichtiger Artikel.

  • ...als braver Kathole werde ich mir also künftig mit päpstlichem Segen ein Verhüterli über meinen Schnidelwutz stülpen, hurra! Aber Vorsicht: Erst muss ich noch ein paar Löcher reinstechen, damit die Spermien ja auch sicher durchkönnen, denn Geburtenkontrolle ist ja nicht!!! bleibt zu hoffen, dass die Hi-Viren brav draußen bleiben!! Ein Hoch auf die katholische Kirche! Und, ätschibätsch, ausgeschmiert: ich bin gar nicht Kathole, sondern Evangele! Glück gehabt, kann also ungelöcherte Gummis verwenden!

  • beeindruckend wie schnell sich so ein Papst der Realität stellen kann.
    bei Galileo hat es noch 500 Jahre gedauert.
    im Fall von Aids sind es nur 25 Jahre gewesen.
    Vielleicht geht es in Zukunft sogar noch schneller.

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