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„Wer erst 2007 die Preise erhöht, ist selber Schuld“

Am 1. Januar 2007 wird die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent steigen. Doch bereits im kommenden Jahr müssen die Kunden wohl tiefer in die Tasche greifen. Die Händler haben sich einen Plan zurechtgelegt.

HB DÜSSELDORF. "Wer erst am 1. Januar 2007 die Preise erhöht, ist selber Schuld", beschreibt Rolf Pangels vom Handelsverband BAG die Einschätzung der Branche. Wichtig sei es, schon vorher genügend Luft in der Kalkulation zu schaffen, damit man dann am 1. Januar 2007 sagen könne, man halte die Preise stabil. Denn eines steht auch für den Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, fest: "Einen Preisschub zum 1. Januar 2007 würden die Konsumenten nicht akzeptieren."

Tatsächlich prägt die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte in vielen Teilen des Handels die Prognosen für das kommende Jahr. Die Autoindustrie etwa erwartet 2006 Rückenwind durch die Mehrwertsteuererhöhung. Aller Voraussicht nach werde der Vorzieheffekt - also dass die Kunden größere Anschaffungen früher als geplant tätigen - im 4.Quartal zu einer Steigerung der Neuzulassungen um bis zu 80 000 Fahrzeuge führen, prognostizierte kürzlich der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) Bernd Gottschalk. Schließlich verteuere die Mehrwertsteuererhöhung ein Neufahrzeug um durchschnittlich 700 Euro.

Ähnlich ist es in der Möbelindustrie. "Wir sind sicher, dass viele Verbraucher die bisher aufgeschobenen Möbelkäufe jetzt tätigen werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Möbelindustrie Dirk-Uwe Klass mit Blick auf die drohende Steuererhöhung.

Wermutstropfen für die Verbraucher: In beiden Branchen dürfte mit der wachsenden Nachfrage zum Jahresende die Neigung zu Rabatten sinken. So signalisierte Gottschalk: "Wir sind präpariert für eine Steigerung von Produktion und Absatz, aber nicht um den Preis nochmals höherer Incentives."

Andere Branchen gehen dagegen eher mit Skepsis in das neue Jahr. "Die Mehrwertsteuererhöhung gefällt uns überhaupt nicht. Bei uns gibt es keine Vorzieheffekte", meinte etwa Siegfried Jacobs vom Bundesverband des Textileinzelhandels. Deshalb werde der Bekleidungshandel wohl nur die negativen Folgen der Steuererhöhung zu spüren bekommen. Eine dreiprozentige Preiserhöhung auf die Kunden abzuwälzen, sei angesichts des harten Wettbewerbs schier aussichtslos. Um einen Preisschock zu verhindern, müssten die Bekleidungsunternehmen deshalb schon in diesem Jahr ihre Einkaufspreise nach unten drücken, meinte Jacobs. Auch Rabattaktionen würden im kommenden Jahr wohl eher moderat ausfallen.

Den Lebensmittelhandel lässt die Steuererhöhung dagegen kalt. Schließlich bleibt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Nahrungsmittel unverändert. Die Sparte hofft nach Angaben von Gerd Härig vom Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels 2006 auf eine "schwarze Null" beim Umsatz. Mit Preissprüngen sei nicht zu rechnen. "Da wird sich die Tendenz fortsetzen, dass Lebensmittel eine Inflationsbremse darstellen", meinte Härig. Wenn überhaupt, dann gehe die Preisentwicklung in Richtung "billiger, billiger" - trotz der Fleischskandale.

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