Katastrophe von Kaprun
„Die sind verbrannt wie in einer Sardinenbüchse“

Nur zwölf Menschen entkamen der Flammenhölle von Kaprun, 155 verbrannten qualvoll im Stollen der österreichischen Seilbahn. Zehn Jahre nach der Katastrophe warten viele Angehörige der Opfer noch auf juristische Aufklärung. Ein Schuldiger ist bis heute nicht ausgemacht.
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HB SALZBURG/WIEN.Trauernde legten am Donnerstagmorgen Blumen und Kränze an der Gedenkstätte in unmittelbarer Nähe der Talstation nieder und zündeten Kerzen an. Einige Angehörige der Opfer seien mit Holzkreuzen zu der Gedenkveranstaltung gekommen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

An der Gedenkfeier nahmen auch der damalige Landesrettungskommandant Gerhard Huber und der Betriebsleiter der Gletscherbahnen, Günther Brennsteiner, teil. Zum Jahrestag des Seilbahn-Unglücks wurden auch einige Politiker erwartet. Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann, die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und Kapruns Bürgermeister Norbert Karlsböck hatten ihr Kommen zugesagt.

An einem sonnigen Samstagmorgen vor zehn Jahren sollte die Wintersaison in Kaprun eröffnet werden, auch eine Snowboard-Veranstaltung war geplant. Am Kitzsteinhorn rechnete man mit tausenden Wintersportlern. „Es war ein wunderschöner Tag“, erinnert sich der damalige Betriebsleiter der Gletscherbahnen, Günther Brennsteiner, in einem Rückblick des österreichischen Fernsehens ORF. Um 7 Uhr morgens unternahm er noch eine Kontrollfahrt, ohne etwas Ungewöhnliches zu bemerken. Zwei Stunden später erhielt er die „Horrormeldung“.

Kurz nach 9 Uhr brach in dem bergauf fahrenden, mit Skifahrern und Snowboardern voll besetzten Zug „Kitzsteingams“ ein Brand aus. Das Feuer entstand in einem direkt neben einer Hydraulikleitung angebrachten Heizlüfter in der leeren Fahrerkabine am unteren Zugende. Die Bahn blieb im Tunnel stecken, der Funkkontakt brach ab, die Flammen breiteten sich rasend schnell aus.Fahrgästen gelang es, Fenster des Zuges einzuschlagen und nach draußen zu klettern. Zwölf von ihnen liefen bergab und kamen mit dem Leben davon. Für diejenigen, die nicht aus der Bahn entkommen konnten oder auf dem Weg bergauf vom Rauch eingeholt wurden, gab es keine Rettung. Auch in der Bergstation ganz oben erstickten drei Menschen im Qualm.

„Die sind verbrannt wie in einer Sardinenbüchse“, sagt die deutsche Urlauberin Ursula Geiger, die damals ihren 14-jährigen Sohn Sebastian verlor, in dem TV-Beitrag. „Die hatten keine Chance.“ Die Angehörigen wurden in einem Krisenzentrum betreut. Auch die Helfer und Retter, die vier Tage lang mit der Bergung der vielfach bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Opfer zu tun hatten, litten noch lange darunter.

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