Kein Ansatzpunkt für fremdenfeindlichen Hintergrund
Brand in Ludwigshafen wohl kein Anschlag

Ein Brandanschlag als Auslöser der Katastrophe von Ludwigshafen gilt nach gegenwärtigem Ermittlungsstand als äußerst unwahrscheinlich. An der Brandausbruchsstelle waren keinerlei Brandbeschleuniger gefunden worden. Die Ludwigshafener Bevölkerung soll nun bei der endgültigen Aufklärung des Unglücks helfen.

HB LUDWIGSHAFEN. Die Feuerkatastrophe von Ludwigshafen mit neun Toten ist nach Angaben der Ermittler mit hoher Sicherheit nicht auf einen Brandanschlag zurückzuführen. „Wir haben keinerlei Ansatzpunkt für eine fremdenfeindliche Attacke oder eine vorsätzliche Brandlegung“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Wahrscheinlich sei der Brand durch ein „wie auch immer geartetes fahrlässiges Verhalten entstanden“. Die Ermittler hätten allerdings nicht herausfinden können, was am Ausbruchsort des Feuers im Keller gelagert worden sei. Anzeichen für Funkenflug seien nicht gefunden worden. „Wir haben ein offenes Feld an Möglichkeiten, wie sich ein Feuer entwickelt haben könnte, wir wissen es aber nicht.“ Durch die Flammen seien eventuell vorhandene Spuren verwischt worden. Liebig betonte, man sei noch nicht am Ende der Ermittlungen.

Zu der Aussage von zwei acht und neun Jahre alten Mädchen, die zunächst behauptet hatten, einen Mann beim Zündeln beobachtet zu haben, dies aber später widerrufen hatten, sagte Liebig: „Die zweite Aussage der Mädchen ist glaubhaft und gut nachzuvollziehen.“ Die Mädchen, die ja selbst Teil der Katastrophe gewesen seien, hätten für sich eine Erklärung gebraucht und deshalb von einem vermeintlichen Täter berichtet.

Der Oberstaatsanwalt appellierte an die Ludwigshafener Bevölkerung, den Ermittlern unter die Arme zu greifen: „Wenn es noch irgendwo Informationen gibt, die zur Brandaufklärung geeignet sein könnten, ist meine dringende Bitte, diese zur Verfügung zu stellen. Wir appellieren an alle, die vielleicht doch etwas wissen, aber ihr Wissen bisher für sich behalten haben.“

Bei dem Feuer waren am 3. Februar neun Menschen ums Leben gekommen, 60 weitere wurden verletzt. Die Katastrophe hatte großen politischen Wirbel ausgelöst. Führende türkische Politiker brachten das Feuer mit dem Brandanschlag von Solingen in Verbindung. Türkische Zeitungen empörten sich darüber, dass die Feuerwehr zu spät zur Stelle gewesen sei. Dies konnten die Behörden in Ludwigshafen widerlegen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machte bei seinem Deutschlandbesuch in Ludwigshafen Station und rief seine Landsleute zur Mäßigung auf.

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