Knöpfe aus Perlmutt oder doch aus gebürstetem Titan?
Auf einen Whisky zu Brioni

.Als das Heck der Titanic voll Wasser lief, knallten im Speisesaal des Luxusliners die Dom Pérignon-Korken. Denn wenn es abwärts geht, dann wenigstens stilvoll.

Exakt dieses Verhalten erwartet der italienische Edelschneider Brioni von seinen Kunden. Denn während selbst die solvente Brioni-Zielgruppe über Abschwung, Rezession und all diese schlimmen Dinge plaudert, setzt des deutschen Kanzlers Couturier noch einen drauf: Ab sofort können sich Männer, denen ein richtig exklusiver Anzug 4 000 Euro oder mehr wert ist, den Zwirn auf den Leib schneidern lassen. Vollständig. Ohne Kompromisse.

„Bislang kommt der Kunde und probiert einen bereits fertigen Anzug an, der dann individuell angepasst wird. Künftig kommt der Klient und alles beginnt bei ihm“, sagt Massimo Orsi, Empfangschef im „Atelier“ der noblen Via Gesù in Mailand, mit gedämpfter Stimme.

Dort riecht es wie beim Geigenbauer. Die schweren Holzpanelen am Boden hat der Pariser Star-Architekt Gilles Dupuis, der unter anderem Versailles und den Élysée-Palast restauriert, aus einem Castello in der Toskana entwendet. Die schweren Ohrensessel aus Leder sehen aus, als seien sie aus einem britischen Schloss hierher gekommen. Im Hintergrund lädt eine hölzerne Bar mit alten Single Malts, XO Cognacs und erlesenen Armagnacs ein – daneben sieht man prominente Brioni- Kunden auf Schwarz-Weiß-Fotos bei der Anprobe: Clark Gable, John Wayne, Antony Quinn.

„Wir wollen eine Club-Atmosphäre schaffen“, erklärt Orsi, während er mit seinen rosafarbenen Manschettenknöpfen in Erdbeerform spielt. „Wer einfach nur kommen will, um mit einem Freund einen guten Whisky aus der Sammlung von Dottore Angeloni zu trinken, der möge dies tun.“

Wer sich dagegen in das individuelle Vergnügen des „bespoke tailoring“ stürzen will, bei dem nimmt ein Schneidermeister – nicht ein einfacher Verkäufer, wo kämen wir da denn hin? – Maß. Es wird über den Stoff und die Ausführung diskutiert. Knöpfe aus Perlmutt oder doch aus gebürstetem Titan? Reagenzglas hinter dem Revers für die Blume im Knopfloch, oder doch lieber nicht?

Nach drei Wochen dann die erste Anprobe, nach sechs die zweite. Dauert lange, ist aufwendig. Nichts aber schlägt die Exklusivität.

Brionis Näherinnen benötigen für diesen Rolls Royce unter den Anzügen 32 Stunden netto. Da relativiert sich der stolze Anschaffungspreis. Nebenan in der „camiceria“ gibt es das passende Hemd dazu, bald soll eine Schuhwerkstatt hinzukommen und damit diesen Hinterhof im Herzen des alten Mailands wieder in die guten alten Zeiten zurückversetzen, träumt Brioni-Boss Umberto Angeloni.

Der will einfach noch mehr bieten, als die heimische Konkurrenz – also Kiton, Loro Piana, Ermenegildo Zegna. Dabei ist schon die übliche Brioni-Kollektion für den Sommer 2004, die gerade bei der Mailänder Modewoche präsentiert wurde, alles andere normal: Knüller sind federleichte Jacken aus Krawattenseide, ohne jegliche Fütterung oder Einsätze. „Um die herzustellen, muss man richtig nähen können, sonst sieht das unförmig aus, wie ein Putzlumpen,“ grinst stolz ein Brioni-Verkäufer.

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