Komitee macht Rückzieher
Kölner Karneval verbietet „Charlie Hebdo“-Wagen

Weil es um „die Freiheit und leichte Art des Karnevals“ fürchtet, hat das Kölner Karnevalskomitee einen satirischen „Charlie Hebdo“-Motivwagen verboten. Kritik an der Entscheidung kommt von NRW-Innenminister Jäger.
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KölnIm Kölner Rosenmontagszug wird doch kein Wagen mitrollen, der an den Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ erinnert. Das Festkomitee Kölner Karneval legte entsprechende Pläne zu den Akten, da diese bei einigen Bürgern Sorgen ausgelöst hätten.

„Der Karneval soll (..) nicht zu Sorgen führen - vielmehr wollen wir alle gemeinsam unbeschwert feiern“, teilte das Komitee zur Begründung weiter mit. „Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht“, hieß es weiter. Daher sei der Bau des Wagens gestoppt worden.

Sicherheitsbedenken seien ausdrücklich nicht Grund für die Absage, teilte das Komitee weiter mit. Auch hätten Karnevalsgesellschaften nicht gegenüber dem Festkomitee Ängste geäußert, den „Charlie-Hebdo“-Wagen zu begleiten. Das Festkomitee stehe zur Meinungsfreiheit, die der Kölner Rosenmontagszug „mit seinen aktuellen Persiflagen jedes Jahr lebt“, teilten die Karnevalisten weiter mit.

Das Komitee hatte im Internet über Motive für einen Persiflagewagen abstimmen lassen, der „der Sprache der Gewalt die Sprache der Satire und der Karikatur“ entgegensetzen sollte. Mehrere Gesellschaften hätten Interesse gezeigt, auf dem Wagen zu fahren, hieß es erst vor einer Woche.

NRW-Innenminister Ralf Jäger kritisierte die Entscheidung des Kölner Festkomitees indirekt. „Das muss das Festkomitee selbst wissen. Es ist auch Teil der Meinungsfreiheit, etwas nicht zu tun", sagte der SPD-Politiker der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post (Freitagausgabe). Der Minister fügte aber hinzu: „Wir dürfen jetzt nicht in Angst und Furcht erstarren und uns einschüchtern lassen." Klar müsse sein, dass Meinungsfreiheit in Deutschland auch im Karneval möglich ist.

Islamische Extremisten hatten vor drei Wochen die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris überfallen und dabei zwölf Menschen erschossen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Komitee macht Rückzieher: Kölner Karneval verbietet „Charlie Hebdo“-Wagen"

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  • Deutschland, Köln kuscht vor dem Islam er hat die Macht schon übernommen.

  • Ich finds gut. Da inzwischen jede Honk von sich behauptet Charlie zu sein, war der Wagen einfach nur überflüssig.

  • Da hat das Kölner Festkommitee doch völlig recht! Bloß nicht provozieren. Allerdings ist das nicht konsequent genug, denn die, die hier nicht provoziert werden sollen, stören sich auch am Alkoholgenuss und leichter Kleidung. Daher schlage ich hier dem Kölner Festkommitee vor, dass am und um den Zug nur Tee getrunken und nur Vollverschleiert teilgenommen werden darf. Ach ja - und keine provozierenden Karnevalslieder. Schunkeln geht auch nicht, wegen ungebührlichem Körperkontakt zwischen Männern und Frauen. Überhaupt müsste man den Zug aufteilen - einen nur für Männer und einen nur für Frauen. So, falls ich etwas vergessen haben solle, bitte, bitte, nicht als Provokation auffassen.

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