Krater von Schmalkalden
Füllarbeiten beginnen, Hohlräume befürchtet

Die Arbeiten am Abgrund werden wahrscheinlich Wochen dauern. Der Krater ist für die Experten eine schwierige Aufgabe: Nicht nur die benötigten 2000 Lastwagen-Ladungen Kies führen zu einer wochenlangen Baustelle, auch möglicher starker Regen und die enge Straße bereiten den Experten Kopfzerbrechen.
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HB SCHMALKALDEN. Der Rand des Kraters mitten in einem Wohngebiet im thüringischen Schmalkalden ist über Nacht stabil geblieben. Wie der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schmalkalden, Lothar Röder, auf dapd-Anfrage am Dienstag sagte, wird die Unglücksstelle bewacht, Risse in den Straßen und Gebäuden werden genau beobachtet. Akute Gefahr bestehe derzeit nicht. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass die Häuser direkt am Kraterrand ebenfalls abrutschten, sagte Röder. Offiziellen Angaben zufolge misst das Erdloch 40 mal 40 Meter und ist rund 20 Meter tief.

Der Krater hatte sich urplötzlich in der Nacht zum Montag in der Wohnsiedlung aufgetan. Ein Auto rutschte in die Tiefe, die Straße und Teile von Garagen brachen weg. Neun Häuser wurden geräumt, 25 Menschen mussten vorerst eine neue Bleibe suchen. Verletzt wurde niemand. Geologen gehen davon aus, dass aufgelöste Gesteinsschichten im Untergrund den Erdrutsch verursacht haben.

Ein Riesenbagger soll nun so schnell wie möglich damit beginnen, das Erdloch inmitten eines Wohngebiets aufzufüllen. Dabei könnte es aber noch Probleme geben: Einen Tag nach dem Aufreißen der Erde in dem thüringischen Ort war nach Angaben des Umweltministeriums in Erfurt unklar, ob der Kies in größeren Hohlräumen im Untergrund verschwinden könnte.

Derzeit werde eine Stellfläche für den Spezialbagger vorbereitet, sagte Landrat Ralf Luther (CDU). Die mit einem 18 Meter langen Greifarm ausgestattete Baumaschine soll in der Nähe des Erdlochs aufgebaut werden und rund 40 000 Tonnen Kies in den Krater füllen. Entgegen früherer Planungen werde voraussichtlich kein Förderband eingesetzt, sagte Luther. Das Füllmaterial werde stattdessen von Lastern direkt zum Erdkrater transportiert. Im Laufe des Tages solle zur Probe der erste Kies in das Loch geschüttet werden.

Neben der engen, steilen Hangstraße macht vor allem der brüchige Untergrund Probleme. "Wir müssen zunächst alles, was gerissen ist, wegnehmen und dann schauen, was uns erwartet", sagte der Niederlassungsleiter der zuständigen Baufirma, Heinz Schleicher, am Mittwoch. "Sicherheit geht vor." Darüber hinaus fürchten Experten Gefahren, sollte es stark regnen. Vorbeugend wurden daher Wasser- und Abwasserleitungen verlegt, um das Loch vor einem Wassereinbruch zu schützen. Um mehr über die Gesteinsschichten im Untergrund zu erfahren, soll es eine Untersuchungsbohrung geben.

Mit dem eigentlichen Zuschütten des Schlundes kann wahrscheinlich erst am Donnerstag begonnen werden. "Die Leute werden mit wochenlangen Lkw-Verkehr zu leben haben", sagte Bürgermeister Thomas Kaminski. Die benötigten 40 000 Tonnen Kies sollen aus einer knapp zwölf Kilometer entfernten Grube herangekarrt werden. Etwa 2000 Lastwagen-Ladungen sind laut Luther nötig, um den Krater zu füllen.

Der Landkreis kündigt an, zunächst die Kosten zu übernehmen. Allein die Kiesmenge, die für das rund 20 000 Kubikmeter große Loch nötig sei, werde rund eine halbe Million Euro kosten, sagte Landrat Luther. Sobald die Transportgenehmigungen für den Bagger einer Firma aus Nauen und das Förderband eines Thüringer Unternehmens vorlägen, könnte die Maschinen in Bewegung gesetzt werden. Bevor die Arbeiten beginnen könnten, müsse die Stabilität der Umgebung geprüft werden. Die Bergung eines in das Loch gefallenen Autos sei für ihn kein Thema, sagte Luther.

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