Lacostes Retro-Chich ist in - auch bei Golfern
Das Krokodil bleibt am Ball

Der Wimbledonsieger René Lacoste revolutionierte 1927 die Sportkleidung. Nach Jahren der Krise ist seine Marke jetzt wieder hip.

Max ist 13 und trägt nur baumwollene Pikee-Polos aus der blauen Farbserie. Sein Vater kombiniert zum Anzug schwarze oder weiße Shirts. Wenn der Großvater Golf spielt, holt er die alten, unverwüstlichen Hemden mit dem gestickten Alligator aus dem Schrank: Lacostes Retro-Chic ist in – quer durch die Generationen. Früher war das Krokodil auf der Brust ein Zeichen für reich, später für neureich: „Was lacostet die Welt, Geld spielt keine Rolex“, kalauerte man in den 80ern. Für die Marke keine Werbung: Das Kroko-Hemd verschwand aus Schaufenstern und Schränken. Mitte der 90er drohte die früher so große Marke gar mit den in die Jahre gekommenen Trägern auszusterben.

Doch heute, nach erfolgreicher Häutung, zeigt das Reptil wieder Zähne – auch auf dem Golfplatz. „Mit dem Hiphop kam die Wende“, beobachtet Deutschland-Chef Klaus Moeller-Herrmann. Bands wie die „Fantastischen Vier“ und „Massive Töne“ zeigten sich mit dem kleinen Krokodil auf der Bühne. Gwyneth Paltrow trug in „The Royal Tennenbaums“ ein blaugestreiftes Polokleid, auch Star-Fotograf Peter Lindbergh und Sängerin Kylie Minogue treten im klassischen Polo-Shirt auf.

Szene-Marketing plus Streetwear statt Sportswear lautet die Devise des 36-jährigen Kreativdirektors Christophe Lemaire, der bereits für Yves Saint Laurent und Christian Lacroix gearbeitet hat. Seit zwei Jahren erfindet der Franzose das Krokodil neu, setzt es „sexy und stylish“ ein, wagt die Erfolg versprechende Allianz zwischen Sport und Mode. Er schickt das Wappentier weltweit auf den Tenniscourt und mit Spitzen-Golfern wie Bernhard Langer und Colin Montgomery auf das Grün – aber eben auch in Paris auf den Catwalk.

Das hat Tradition. Simone Lacoste, Frau von Firmengründer René, gewann die britische Damenmeisterschaft und dreizehn Mal die French Open. Die Lacoste-Tochter Catherine dagegen war die erste Europäerin, die die US-Damen-Open gewann.

Und weil Golf immer jünger wird, hilft diese Historie auch der Verjüngungskur der Marke. Und dies macht nicht mal vor dem ehrwürdigen Logo Halt: Das Schuppentier musste leicht abspecken und verändert chamäleonartig sogar seine Farbe. So ziert in der feinen, limitierten Club-Serie ein silbergraues Reptil Strick und Stretch. Eine Sonderedition schwarzer Polos mit silbernem Krokodil war im Pariser Szeneladen Colette innerhalb von Stunden ausverkauft.

Vor 70 Jahren startete René Lacoste die industrielle Fertigung des Polo-Shirts aus weißem Baumwoll- Pikee. Heute macht das Familienunternehmen mit mehr als 27 Millionen verschiedenen Artikeln von Brillen über Schuhe bis Heimtextilien und Parfüm in 85 Ländern einen Umsatz von 700 Millionen US-Dollar.

Ein Viertel davon bestreitet nach wie vor das Polohemd, das seine Popularität dem Firmengründer verdankt: René Lacoste. Der zweifache Gewinner von Wimbledon und Daviscup-Sieger 1927 fühlte sich im vorgeschriebenen Tennisdress aus langer weißer Hose zum weißen, langärmeligen Oberhemd in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Ähnlich den Hemden, wie sie die Polospieler trugen, ließ er sich ein Spielhemd anfertigen: bequem, nicht zu eng, mit Rippenstrickkragen und Strickbündchen an den Ärmeln, die beim Sport nicht verrutschen. Und weil Lacoste auf dem Court als zäher Gegner galt, wurde er „le crocodile“ genannt. Eine Marke war geboren – und zeigt sich bis heute so zäh wie ihr Gründer.

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