Laut Studie
Kinder haben nicht nur vor Monstern Angst

Kinder haben Angst im Dunkeln und fürchten sich vor Monstern unter dem Bett. Diese landläufige Vorstellung von der Furcht der Jüngsten ist bekannt. Doch in Wahrheit haben die 6- bis 14-Jährigen in Deutschland noch vor ganz anderen Dingen Angst.

HB HAMBURG. Schicksalsschläge in der Familie, sexueller Missbrauch und schwere Krankheiten stehen ganz oben auf der Liste der Ängste, haben Experten herausgefunden. Aber auch die Sorge vor Krieg und Gewalt beschäftigt viele Kinder. Seit 1994 befragt die R+V Versicherung Kinder nach ihrer Furcht und kommt nun zu einem überraschenden Ergebnis: „Die Ängste der Kinder sind 2006 auf einem Rekordtief angelangt“, sagt Rita Jakli von der R+V Versicherung. „Das hat uns schon überrascht.“

Rund 40 Prozent der Kinder haben Angst vor der Zukunft, vor zehn Jahren waren es noch 56 Prozent. „Kinder sind ständig einer Reizüberflutung ausgesetzt - durch bedrohliche Nachrichten in Fernsehen und Internet, durch Gewaltszenen in Computerspielen“, erklärt die R+V-Psychologin Karin Clemens. Offenbar, sagt die Wissenschaftlerin, verdrängten Kinder ihre Ängste oder gewöhnten sich an die beunruhigenden Botschaften. Auch in allen anderen abgefragten Bereichen zeige der Trend deutlich nach unten.

Rund 59 Prozent der Jüngsten haben Angst, dass ihren Lieben etwas zustoßen könnte. 2003 waren es elf Prozent mehr. Auf Platz zwei steht die Angst vor sexuellem Missbrauch. „Der Anteil ist bei Mädchen etwas höher, aber dennoch fürchten rund 48 Prozent der Jungen unsittliche Übergriffe“, sagt Jakli. Insgesamt fürchtet etwa jedes zweite Kind, Opfer eines Triebtäters zu werden. Doch auch hier konnten die Wissenschaftler einen Rückgang um 14 Prozent messen.

Schutz vor der Angst bieten offenbar Bildung und Informationen. „Die Studie belegt, dass sich Gymnasiasten weniger fürchten als Gleichaltrige an Haupt- oder Realschulen“, erklärt Jakli. So beschäftigt Hauptschüler die Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut viel mehr als Gymnasiasten, fanden die Interviewer des Instituts für Jugendforschung in München heraus. Im Auftrag des Versicherers befragten die Forscher für die repräsentative Untersuchung bundesweit 923 Mädchen und Jungen.

Dabei fürchten sich die Kinder in verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedlich stark. Am ängstlichsten ist der Nachwuchs in Norddeutschland. Die Sorgen der 6- bis 14-Jährigen in Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein seien deutlich größer als im Bundesschnitt. Im Norden etwa haben 72 Prozent Angst davor, dass ihren Eltern und Geschwistern ein Unglück geschieht, bundesweit sind es 59 Prozent. Eine Erklärung für dieses Gefälle fanden die Experten nicht. Beinahe stabil blieb laut Studie ein ganz alltäglicher Wert: Auf dem elften Platz steht bundesweit die Angst vor schlechten Schulnoten.

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