Leichtathletik
Bundestrainer gesteht häufigen Kindesmissbrauch

Ein Leichtathletik-Bundestrainer hat den hundertfachen sexuellen Missbrauch von jungen Sportlern gestanden. Der 49-jährige Ewald K. räumte am Dienstag vor dem Münchner Landgericht ein, sich über Jahre hinweg an acht Sportschülern im Alter zwischen acht und 17 Jahren vergangen zu haben.

HB MÜNCHEN. „Das stimmt so“, erklärte er zur Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Durch sein Geständnis bleiben den Opfern Aussagen erspart - zudem reduziert sich die Strafe.

Die Gesamtfreiheitsstrafe für den Mann solle nicht mehr als acht Jahre betragen, erklärte Richterin Petra Beckers nach einer Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Nebenkläger mit Blick auf das Geständnis. Das Gesetz sieht bis zu 15 Jahre vor. Der Mann aus dem oberbayerischen Penzberg sitzt seit November 2008 in Untersuchungshaft. Er war seit 2001 hauptberuflich Bundestrainer des Deutschen Leichtathletikverbandes und hielt auch Weiterbildungen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ledigen Mann vor, in etwa 300 Fällen Jungen und junge Männer missbraucht zu haben, die seinen Trainingsgruppen angehörten. In 15 Fällen fügte der Mann seinen Opfern auch körperliche Verletzungen zu.

Das erste Opfer, ein heute 26-jähriger Mann, war laut Anklage beim ersten Übergriff acht Jahre alt und wurde über Jahre hinweg mindestens 215 Mal missbraucht. Diesen Jungen, dessen Familie der Trainer gut kannte, zwang er demnach im Alter von etwa neun Jahren erstmals zum Analverkehr. Zudem missbrauchte er das Kind bei einem Besuch in dessen eigenem Zimmer.

Er habe dem Jungen befohlen, über die Vorfälle zu schweigen und ihm auch Geschenke wie Geld und Kleidung gemacht, sagte Ewald K. Zudem habe er ihm auch mit dem Rauswurf aus der Trainingsgruppe gedroht. Die sexuellen Handlungen habe er dem Kind anfangs mit der positiven Wirkung auf die sportliche Leistung erklärt. „Ich kann das heute auch nicht mehr nachvollziehen“, sagte Ewald K. zu den Übergriffen.

Verteidiger Florian Schneider erklärte, Ewald K. wolle sich in einem Brief bei den jungen Männern entschuldigen und eine Therapie beginnen. „Er sieht die Jungs als Opfer, und es tut ihm sehr leid, was da passiert ist.“ Die meisten Opfer wollten mit dem Missbrauch nicht mehr konfrontiert werden.

An den meisten Jungen verging sich der Trainer in Sporthallen, etwa auch in der Münchner Olympiahalle. Der Mann nutzte aber auch Trainingslager, seine Wohnung und Autofahrten für sexuelle Übergriffe.

Bis 1998 arbeitete der gelernte Restaurantfachmann als stellvertretender Oberkellner in einem Münchner Luxushotel. Seine Trainerlaufbahn begann der gebürtige Österreicher beim TSV Penzberg, wo er mehrere Jahre für das Lauftraining von Jungen ab sechs Jahren zuständig war. In dem Verein suchte er sich auch sein erstes Opfer. Neben seinem Job als Bundestrainer trainierte er auch Schüler eines Sportgymnasiums. „Ich habe den Job gelebt und geliebt“, sagte Ewald K.

Eine Bekannte von Ewald K., die als Zuschauerin zu dem Prozess gekommen war, beschrieb den Angeklagten als offen, nett und fröhlich. Die Sportler hätten großen Respekt vor ihm gehabt, und viele hätten gehofft, von ihm als Talent entdeckt zu werden, berichtete die junge Frau. Es habe keine Missbrauchsgerüchte gegeben. „Das hat mein Weltbild zusammengeschmissen.“

Über eine mögliche Sicherungsverwahrung will das Gericht nach der Hauptverhandlung entscheiden. Für den Prozess wurden bis zum (morgigen) Mittwoch zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt.

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