Letzte Vorbereitungen in Mali laufen
Rückkehr der Sahara-Geiseln erwartet

Nach rund sechs Monaten Geiselhaft sind die in Algerien entführten Sahara-Touristen frei und sollen voraussichtlich in der Nacht zum Mittwoch nach Deutschland zurückkehren.

Reuters BAMAKO/BERLIN.Die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer waren zuletzt in Mali festgehalten worden. Sie sollten den westafrikanischen Staat am späten Dienstagnachmittag verlassen und mit einem Airbus der Luftwaffe nach Köln zurückfliegen, sagte Außenamts-Staatssekretär Jürgen Chrobog in der Hauptstadt Bamako. Von der malischen Regierung habe er erfahren, dass die Touristen wohlauf seien. „Das ist ein großartiger Tag für uns.“

Aus Diplomatenkreisen verlautete, Chrobog habe zwischenzeitlich selbst mit den Touristen telefoniert. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zeigte sich erleichtert und sagte Mali wie auch Algerien Unterstützung bei der Ergreifung der Geiselnehmer zu.

Nach unbestätigten Medienberichten wurde ein Lösegeld von rund 4,6 Millionen Euro gezahlt. Eine libysche Stiftung, die vor drei Jahren an der Beendigung einer Geiselnahme auf den Philippinen beteiligt war, spielte nach eigenen Angaben auch dieses Mal eine wichtige Rolle. Die Sahara-Urlauber waren vor rund sechs Monaten im Süden Algeriens mutmaßlich von radikalen Moslems verschleppt worden. Eine erste Geisel-Gruppe war im Mai befreit worden. Eine deutsche Geisel der zweiten Gruppe war Ende Juni an Erschöpfung gestorben.

Chrobog: Erwarten Touristen in großer Vorfreude

Die freigelassenen Touristen befanden sich am Vormittag den Angaben zufolge in der Obhut malischer Behörden. Ein Sprecher des Präsidialamts machte aber keine Angaben zum Aufenthaltsort. Chrobog sagte, die Touristen sollten aus Gao im Osten Malis nach Bamako gebracht und dort von Präsident Amadou Toumani Toure empfangen werden. Anschließend sollten sie heimfliegen.

„Ich habe dem malischen Präsidenten meinen Dank abgestattet, und wir erwarten jetzt in großer Vorfreude die Rückkehr der betroffenen Personen“, sagte Chrobog. Nach einem ZDF-Bericht waren die Urlauber am Mittag noch in einem Konvoi auf Sandpisten unterwegs und noch rund 200 Kilometer von Gao entfernt.

Schröder erklärte in Berlin, er habe mit großer Erleichterung und Freude vernommen, dass die Geiseln frei seien. „Ich wünsche den Entführten, dass sie nun schnell in ihre Heimatländer zurückkehren und sich dort im Kreise ihrer Familien, Angehörigen und Freunde möglichst bald von den schrecklichen Strapazen und Belastungen erholen können.“ Während ihrer Gefangenschaft waren die Europäer in der Wüste Temperaturen von 45 Grad ausgesetzt und wurden von ihren Entführern offenbar immer wieder an andere Orte gebracht.

Schröder erklärte, der malische Präsident Toure und Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika hätten maßgeblich zum glücklichen Ausgang beigetragen. Mit beiden Präsidenten sei er sich einig, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus nur mit Hilfe einer engen Zusammenarbeit der beteiligten Behörden gelingen könne.

„Ich bin froh, dass dies in diesem Fall beispielhaft funktioniert hat.“ Die Entführer dürften nicht ungestraft davon kommen. „Deshalb werden deutsche Sicherheitsbehörden die algerischen und malischen Partner in allem unterstützen, was geeignet sein könnte, die Täter zu ergreifen und vor Gericht zu stellen“, sagte Schröder.

Die Entführer sollen der radikal-islamischen Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) angehören. Sie kämpft für einen islamischen Religionsstaat in Algerien.

Gaddafi-Stiftung: Haben Kontakt zu Entführern hergestellt

Die Internationale Gaddafi-Stiftung spielte nach eigenen Angaben eine wichtige Rolle bei der Freilassung. Eine Gruppe Libyer habe in Abstimmung mit Malis Regierung Kontakt mit den Entführern hergestellt, sagte ein Sprecher Reuters. „Am 7. August haben die Entführer an die Stiftung Forderungen übermittelt, die wir an die betroffenen Regierungen weitergeleitet haben.“ Details nannte er nicht.

Zuvor hatte die Stiftung erklärt, auch der Bundesnachrichtendienst (BND) sei an der Befreiung der Geiseln beteiligt gewesen. Dabei sei es einem Mitarbeiter der Stiftung gelungen, die Höhe des Lösegeldes zu reduzieren. Der BND äußerte sich nicht dazu. Die Stiftung ist nach dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi benannt. Medien berichteten unter Berufung auf malische Kreise, es sei ein Lösegeld von rund 4,6 Millionen Euro vereinbart worden, das von der malischen Regierung gezahlt werden solle. Das Geld solle später in Form von deutscher Entwicklungshilfe zurück fließen. Die Bundesregierung hat dies nicht bestätigt.

Der außenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion und Ex-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, deutete an, dass sich die Bundesregierung gegenüber Mali erkenntlich zeigen werde. „Wir wissen natürlich zu schätzen, wenn einzelne Länder in zugespitzten Situationen unsere Interessen mit vertreten, sich auf unsere Seite stellen. Wir vergessen unsere Freunde nicht“, sagte Volmer im Deutschlandfunk. „Die Bundesregierung zahlt kein Lösegeld, und wenn sie es tun würde, würde sie es nie zugeben.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%