Lottojackpot
Tippen für das Haushaltsloch

Die 10 500 Einwohner zählende baden-württembergischen Kommune Blumberg hofft ganz besonders auf den Gewinn des Lottojackpots. In der Kleinstadt gibt es seit fast sechs Jahren eine Lotto-Tippgemeinschaft der etwas anderen Art – sie will mit dem Geld den Kommunalhaushalt sanieren.

HB STUTTGART. Fast der gesamte Gemeinderat spielt mit sowie die fünf Ortsvorsteher und der Bürgermeister, wie Hauptamtsleiter Ralph Gerster am Dienstag erklärt. „Diesmal herrscht schon eine gewisse Anspannung“, sagt Gerster mit Verweis auf den Rekordjackpot. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, fügt er schmunzelnd hinzu. Riesige Gewinne habe man bislang noch nicht eingefahren. Mal drei Richtige mit Zusatzzahl sei einer der höheren Gewinne gewesen. Die Tippgemeinschaft gibt kein Geld der Kommune aus, sondern bestreitet den Einsatz aus den Sitzungsgeldern des Gemeinderats, wie Gerster erläutert.

Die Tipper haben alles genau geregelt, damit alles korrekt über die Bühne geht und der erhoffte Millionen-Gewinn auch dem Stadtsäckel zugute kommt. Deshalb mussten alle eine entsprechende Vereinbarung unterschreiben. Was mit den Gewinnen gemacht werde, sei nicht festgeschrieben, erklärt Gerster. Die Schwarzwald-Kommune nahe der Grenze zur Schweiz hat 26 Mill. Euro Schulden. Die Gemeinde, die vor allem durch die historische „Sauschwänzlebahn“ bekannt ist, kämpft seit Jahren mit dem Haushaltsloch. In der Vergangenheit habe die Gemeinde in die Wasser- und Abwasserversorgung investiert und ein Sanierungsprogramm für die Schulen aufgelegt.

Falls die kommunale Tippgemeinschaft den Jackpot knackt, soll mit dem Geld ein Teil der Schulden abgebaut und das Freibad saniert werden. Die Idee für die Tippgemeinschaft ist dem Gemeinderat Ende 2001 gekommen, wie Gerster berichtet. Es werden immer die gleichen Zahlen getippt. Die baden-württembergische Kommunalaufsicht hat am Vorgehen der Lokalpolitiker nichts zu monieren. „Das Innenministerium drückt die Daumen“, sagt eine Sprecherin.

Blumberg ist offenbar ein Einzelfall in Deutschland. Gerster berichtet, Anfragen über die Tippgemeinschaft gebe es immer wieder. Aber ihm sei keine andere Kommune bekannt, die Lotto spielt. Der Geschäftsführer des hessischen Städtetags, Dieter Schlempp, weist darauf hin, dass es den Kommunen zumindest in Hessen verboten ist, sich mit öffentlichen Geldern am Glücksspiel zu beteiligen. In Köln, Düsseldorf, Dortmund oder Essen ist bislang noch keine Verwaltung auf den Gedanken gekommen, als Kommune systematisch Lotto zu spielen.

Laut Dortmunder Stadtsprecher, Hans-Jaochim Skupsch, wäre das auch gar nicht erlaubt. „Die Gemeindeordnung in Nordrhein-Westfalen verbietet spekulative Geschäfte mit Steuergeldern und dazu zählt auch das Lottospiel“, sagt er. Was die Stadt mit einem unerwarteten Geldsegen in Jackpothöhe anstellen würde, weiß er allerdings: „In unser großes Haushaltsloch stecken.“ Auf knapp 79 Mill. Euro belaufen sich hier demnach die Schulden.

Ähnliches gilt auch in Essen: An Sonderwünsche mag Holger Peters, Referent im Bereich Finanzen, erst gar nicht denken. „Das Geld ginge wohl komplett in unsere Schuldentilgung, damit wir endlich mal weniger Zinsen zahlen müssen.“ Bei einem Haushaltsloch von 2,7 Mrd. Euro beliefen sich die allein im kommenden Jahr auf rund 140 Mill. Euro. In Düsseldorf hat man solche Rechenspiele nicht mehr nötig: Seit September ist die Stadt schuldenfrei.

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