Markenpiraterie
Eine Frage des Bewusstseins

Hemmungsloses Abkupfern gilt in China nicht als schändlich. Im Gegenteil, wer mit einem Plagiat dem Original möglichst nahe kommt, erweist dem Schöpfer Ehre und Respekt. Warum tut sich China so schwer mit der Bekämpfung der Markenpiraterie. Ein Lehrstück über Gesetze und Macht.

DÜSSELDORF. Gelb-silber oder rot-silber kommt er daher, zwei niedliche Scheinwerfer, kompakt die Maße. Der "Electronic City Smart" der chinesischen Firma CMEC aus Suzhou sieht seinem deutschen Bruder zum Verwechseln ähnlich. Kein Wunder: Rein äußerlich ist Chinas Version des Smart eine glatte Raubkopie. Nur die Motorisierung ist bescheidener: Die Batterie des Elektromobils reicht gerade für einhundert Kilometer. Ganz bewusst haben seine Schöpfer sich eng an das Vorbild gehalten - sehr zum Verdruss von Daimler-Chrysler. Der deutsche Konzern bemühte die Justiz in China.

Hemmungsloses Abkupfern gilt in China nicht als schändlich. Im Gegenteil, wer mit einem Plagiat dem Original möglichst nahe kommt, erweist dem Schöpfer Ehre und Respekt. Erstrebenswert ist, den Meister so gut wie möglich nachzuahmen - Konfuzius lässt grüßen.

Im Westen findet diese Philosophie kaum Anhänger. Bei so manchem Manager hier lassen Chinas dreiste Plagiatoren vielmehr die Zornesadern anschwellen. Auf der Messe "Auto-China" in Peking fanden sie im November gleich dutzendweise Anlass dafür. Vor keinem noch so renommierten Namen machten Chinas Konstrukteure Halt. Ob der X5 von BMW, der Freelander von Landrover oder der Hummer aus den USA - alle waren Vorbilder für Chinas Designer, mal mehr, mal weniger offensichtlich.

Ob Autos oder Maschinen, ob Textilien, Schuhe oder Taschen, ob Luxusuhren oder Lego, kein Copyright ist Chinas Klonern heilig. Zwei Drittel aller an den Grenzen Europas sichergestellten Raubkopien stammen aus dem Reich der Mitte. Erst kürzlich hat der Hamburger Zoll eine Ladung mit Sportschuhen im Wert von über 350 Mill. Euro sichergestellt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt den Schaden für die deutsche Wirtschaft allein auf 30 Mrd. Euro pro Jahr. Weltweit beläuft sich die Summe auf 300 Mrd. Euro.

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