Marodes Schienennetz
Mindestens 58 Tote nach Zugunglück in Ägypten

Bei einem Zusammenstoß zweier Züge in Kaljub, 20 Kilometer nördlich von Kairo, starben am Montagmorgen dutzende Menschen. Als Ursache nennen die Behörden eine Signalstörung. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer: Die Züge sind überfüllt, das Schienennetz ist marode.

HB KAIRO Auch Stunden nach der Katastrophe bleibt die genaue Zahl der Opfer unklar: Während in Sicherheitskreisen von 80 Toten die Rede war, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Mena von 51 Todesopfern. Mehr als 160 Menschen wurden durch den Zusammenprall zweier Pendlerzüge in Kaljub rund 20 Kilometer nördlich von Kairo verletzt. Augenzeugen zufolge raste ein Zug von hinten in eine andere Bahn, die aufgrund eines Motorschadens anhalten musste. Nach Polizeiangaben hat ein Zugfahrer am frühen Morgen ein Signal übersehen. Der Zugführer kam bei dem Aufprall ums Leben, die Lok überschlug sich.

Nach dem Unfall brach ein Feuer aus, das aber schnell gelöscht werden konnte, wie der Gouverneur der Provinz Kaljubia, Adli Hussein, sagte. Die Rettungskräfte arbeiteten zum Teil mit Planierraupen, um die Opfer aus den Wagons zu befreien. Auf dem Bahnsteig lagen blutgetränkte Kleidungsstücke und Schuhe. Die betroffenen Zugstrecken wurden vorübergehend gesperrt. Rund 1000 Passagiere und besorgte Angehörige standen am Unglücksort und warteten auf Neuigkeiten. Hunderte Sicherheitskräfte hielten die Menschenmenge mit gezogener Waffe zurück. Über Lautsprecher wurden die Menschen aufgefordert, Blut zu spenden.

Schwerstes Unglück seit 2002



In Ägypten kommt es immer wieder zu Zugunglücken, die zumeist auf unzureichende Wartung zurückgeführt werden. Der bislang schwerste Unfall ereignete sich im Februar 2002. Damals brach südlich von Kairo ein Feuer in einem überfüllten Personenzug aus. 363 Menschen kamen ums Leben. Zuletzt wurden im Februar dieses Jahres 20 Menschen verletzt, als in einem Bahnhof im Nildelta zwei Züge zusammenstießen. Die Opfer sind fast immer Angehörige der Unterschicht, die keine andere Wahl haben als mit überfüllten Zügen zu reisen.

Wie schon bei dem Fährunglück im Roten Meer vor einem halben Jahr, bei dem mehr als 1000 Menschen ihr Leben verloren, so sind wohl auch diesmal Nachlässigkeit und Fehlentscheidungen der Grund für das Desaster.

Oft wird nach schweren Unglücken mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Ägypten niemand zur Rechenschaft gezogen. Denn mit den direkt Verantwortlichen, den kleinen unterbezahlten Beamten, hat man oft Mitleid. Und den Vorgesetzten, die eigentlich dafür Sorge tragen sollten, dass im System alles rund läuft, lässt sich oft nur schwer eine persönliche Schuld nachweisen.

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