Maul-und Klauenseuche
Seuchen-Erreger könnte aus Labor stammen

Mehr als sechs Jahre nach einem verheerenden Ausbruch der Maul- und Klauenseuche hat Großbritannien ein erneutes Auftreten des Virus durch rasche Gegenmaßnahmen anscheinend eindämmen können. Als Ursache des neuen Ausbruchs vermuteten Seuchenbekämpfer ein „Leck“ in einer US-Firma für Tiermedikamente in der Ortschaft Pirbright unweit von London.

HB LONDON. Nach der Tötung von mehr als 60 befallenen Rindern einer benachbarten Farm wurden am Sonntag keine neuen Infektionen bekannt. Deutschland und andere Staaten ergriffen Abwehrmaßnahmen gegen eine Einschleppung der Seuche. Für diesen Montag wurde ein EU-Exportverbot für Tiere und Fleischprodukte aus Großbritannien erwartet.

Die Suche nach dem Herd des Erregers konzentrierte sich auf die US-Firma Merial Animal Health. Experten für Epidemie-Bekämpfung gingen davon aus, dass aus Labors der Firma unweit von London in der Grafschaft Surrey Erreger der Seuche entwichen und auf eine Rinderherde in der Nähe übergesprungen sein könnten. Die weltweit tätige US-Firma hatte erst kürzlich in ihrer Zweigstelle in der Ortschaft Pirbright mit abgeschwächten Erregern der Maul- und Klauenseuche (MKS) größere Mengen eines Impfstoff gegen die Tierkrankheit hergestellt.

„Merial kooperiert voll und ganz mit der britischen Regierung bei der Suche nach dem Herd der Infektionen“, erklärte der Direktor der britischen Merial-Niederlassung, David Biland. Die Produktion des Impfstoffes sei vorerst eingestellt worden. Zuvor war ein staatliches Veterinär-Institut in Pirbright, dessen Einrichtungen von der US- Firma mit genutzt werden, in Verdacht geraten. Institutsdirektor Martin Shirley erklärte, eine Untersuchung habe keine Verletzung von Sicherheitsvorschriften in der Einrichtung ergeben.

Auf Anweisung des Krisenkomitees COBRA der Regierung, für dessen Leitung Premierminister Gordon Brown seinen Urlaub abbrach, war in der Nacht zum Sonntag die Schutzzone rings um den betroffenen Viehbetrieb in der Grafschaft Surrey ausgedehnt worden. Sie umfasst nun auch das Gelände der rund fünf Kilometer von dem Bauernhof entfernten tiermedizinischen Einrichtung bei Pirbright.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Infektionen am Freitagabend hatte die Regierung sämtliche Transporte von Rindern, Schafen, Schweinen und Ziegen verboten. Zahlreiche Agrarmessen und landwirtschaftliche Tierschauen wurden abgesagt. Zudem kam London mit einem freiwilligen Exportstopp dem erwarteten EU-Verbot zuvor. Brown versprach, es werde „alles unternommen, was in unseren Kräften steht“, um eine erneute Epidemie zu unterbinden.

Durch das Ausbleiben neuer Infektionsfälle wuchs die Hoffnung, dass die Tierkrankheit bereits eingedämmt werden konnte und nicht die Ausmaße nach dem MKS-Ausbruch vom Februar 2001 erreicht. Damals waren der britischen Landwirtschaft und der Tourismusindustrie durch eine monatelange Epidemie Schäden in Höhe vom umgerechnet mehr als zwölf Mrd. Euro entstanden. Mehr als sechs Mill. Tiere mussten getötet werden. Erst nach fast einem Jahr ließ die EU wieder Exporte von Wiederkäuern und Schweinen sowie entsprechenden Fleischprodukten aus Großbritannien in den EU-Raum zu.

In Deutschland wurden nach Angaben eines Sprechers des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom Samstag fünf Tiertransporte aus Großbritannien in den vergangenen 30 Tagen ermittelt. Da sie aus Gegenden stammten, die weit entfernt von dem von der Seuche betroffenen Hof in Südengland seien, bestehe die Hoffnung, dass sie nicht befallen seien. In mindestens drei Bundesländern wurden einige Bauernhöfe für die nächsten Tage gesperrt.

Japan gab am Samstag ein Importverbot für britisches Fleisch bekannt. Auch die USA und Kanada untersagten die Einfuhr. In Frankreich wurden Tests bei Tieren und Fleischprodukten angeordnet. Im Agrarministerium der Schweiz hieß es, man halte die von London selbst ergriffenen Maßnahmen für ausreichend.

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